A Tale of Two Sisters

A Tale Of Two Sisters - FilmplakatWenn es eine Sache gibt, die man den oftmals so überflüssigen US-Remakes von nichtamerikanischen Filmen zugutehalten kann, dann, dass sie wenigstens den ein oder anderen Zuschauer auf das Original aufmerksam machen. 2009 erschien mit Der Fluch der 2 Schwestern (Charles & Thomas Guard) die amerikanisierte Fassung eines sechs Jahre zuvor gedrehten, modernen Klassikers des zeitgenössischen koreanischen Kinos: Das mehr als sehenswerte psychologische Horrordrama A Tale of Two Sisters von Kim Jee-woon.

Die Handlung dreht sich um die titelgebenden zwei Schwestern Su-mi (Lim Su-jeong) und Su-yeon (Moon Geun-young), die nach einem längeren Psychiatrieaufenthalt in das Landhaus ihres Vaters zurückkehren. Ihre Stiefmutter Eun-joo (Yum Jung-ah) ist davon allerdings wenig angetan und begegnet den Mädchen mit falschem Lächeln und strenger Hand. Während sich Su-yeon ängstlich zurückzieht, bietet ihr die willensstarke Su-mi die Stirn. In dieser feindseligen Umgebung scheint aber mehr zu lauern als nur die böse Stiefmutter. Irgendetwas stimmt nicht, denn merkwürdige Vorkommnisse häufen sich, die nicht mehr bloß mit den Alpträumen, die Su-mi nachts widerfahren, erklärt werden können. Su-yeon fürchtet sich vor einer Sache, die mit dem Kleiderschrank in ihrem Zimmer zu tun hat, doch ihre Vater erinnert sie bloß an ihre Vereinbarung, nicht mehr über den Schrank zu sprechen…

Wer betritt nachts Su-yeons Zimmer? Was ist mit den wiederholten Sichtungen eines mysteriösen Mädchens? Und vor allem: Was hat es mit dem Kleiderschrank auf sich? A Tale of Two Sisters ist ein Geheimnis, das sich in anfangs noch wie ein Drama verhält, später aber nach und nach immer mehr in Richtung Horror gleitet. Dabei verzichtet man aber auf Gore und haufenweise Jumpscares, sondern schöpft die unheimliche Kraft aus der sich schleichend aufbauenden, unbehaglichen Atmosphäre. Mysterium und Paranoia dominieren das Geschehen, bei dem letztlich nie so ganz klar ist, ob das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, nun tatsächlich existiert oder sich mit dem labilen Geisteszustand der beiden Schwestern erklären lässt. Das Verwirrspiel um Fakt und Fiktion ist keine Neuheit im Genre, doch Kim Jee-woon inszeniert es mit stimmungsvoll ästhetischen Kameraeinstellungen und einem markanten Sounddesign, das mit jedem knarzenden Schritt – ob real oder nicht – wohlig unbehagliche Irritationen erzeugt.

Immer tiefer zieht der Film Figuren und Zuschauer in seinen Bann und strapaziert den rationalen Verstand mit Schein und Sein. Ein ums andere Mal muss das Gesehene dabei neu bewertet und eingeordnet werden, wenn sich bestimmte Dinge irgendwann als tatsächlich existent oder nonexistent erweisen und somit dem bisherigen Handlungsverlauf neue Bedeutungsebenen zukommen lassen. Die Geschichte um die zwei Schwestern mag gar nicht so kompliziert per se sein, dennoch ist A Tale of Two Sisters ein Film, der nicht nur verdammt gut gruselt, sondern auch eine gehörige Portion Konzentration fordert. Ein wacher Blick dämpft die unangenehme Wahrheit, die ans Licht kommt, zwar nicht ab, verspricht aber das bestmögliche Filmerlebnis für alle, die sich bereitwillig vom audiovisuell und inszenatorisch hervorragenden, psychologischen Horror umfangen lassen.


Originaltitel: Janghwa, hongryeon
Regie: Kim Jee-woon
Drehbuch: Kim Jee-woon
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2003

Copyright der Bilder: 3L Filmverleih

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