DellaMorte DellAmore

DellaMorte DellAmore

Nachdem er einige Jahre vom italienischen Kultregisseur Dario Argento gelernt hatte, nahm Michele Soavi seine Regielaufbahn Mitte der Achtziger selbst in die Hand. Gute zehn Jahre später erscheint mit DellaMorte DellAmore eine skurrile Mischung aus Liebesgeschichte und Zombiehorror, die in Italien durchaus erfolgreich war, ansonsten aber eher in Fankreisen als Klassiker angesehen wird.

Die Prämisse der Handlung: Der introvertierte Totengräber Francesco Dellamorte (Rupert Everett) verliebt sich in eine hübsche, junge Witwe (Anna Falchi), wohnt mit seinem einzigen Freund, dem zurückgebliebenen Gnaghi (François Hadji-Lazaro), auf dem Friedhof und kümmert sich Nacht für Nacht um die Toten, die im beschaulichen kleinen Städtchen Buffalora die lästige Angewohnheit haben, sich nach ungefähr einer Woche wieder aus ihren Gräbern zu erheben und Jagd auf Menschen zu machen. Für die beiden Protagonisten ist das Beseitigen der Untoten, das bestenfalls durch Enthauptung oder Kopfschuss vollbracht werden kann, allerdings zur drögen Routine geworden. Problematisch wird es erst, als Francescos neue Flamme von ihrem verstorbenen Ex-Mann tödlich verwundet wird, später als Zombie zurückgekehrt zu sein scheint und Francesco ihr widerwillig eine Kugel in die Stirn jagen muss. Blöderweise stellt sich erst kurz darauf heraus, dass die im gesamten Film nicht namentlich genannte Dame noch nicht tot – beziehungsweise untot – war. Als zu allem Überfluss wenig später eine Doppelgängerin auftaucht, gerät Francescos sonst so geordnete Welt endgültig aus den Fugen.

Die Stimmung der ungewöhnlichen Geschichte ist dabei auffallend wechselhaft. Ist das Auslöschen der untoten Horden überwiegend amüsant inszeniert, zeigen sich die Horrorelemente des Films später in den Handlungen Francescos, die aus seinen Depressionen resultieren. Auf der einen Seite ist die Gruselatmosphäre der Friedhofszenen auf seichtem Geisterbahnniveau, sowie viele Szenen allein schon durch das Auftreten und Verhalten Gnaghis kaum ernst zu nehmen, andererseits wird es immer genau dann überraschend abgründig, wenn sich Francesco gezwungen sieht, echte Menschen statt Zombies zu töten. Die Stimmungswechsel wirken leider an manchen Stellen etwas abrupt, obwohl unterschwellig eine Veränderung von Francescos Gemütszustand durch die Ereignisse stets mitschwingt.

Rupert Everett mimt den Protagonisten durchaus nachvollziehbar und auch am lustigen Sidekick Gnaghi gibt es nichts zu bemängeln. Absurd wird es allerdings in den Szenen, in denen alle anderen Charaktere ein nicht nachvollziehbares Verhalten an den Tag legen. Wenn der Bürgermeister zunächst den Tod seiner Tochter betrauert, nur um wenig später auf ihre untote Wiederkehr dergestalt aufgebracht zu reagieren, als sei sie an einem Abend nur zu spät nach Hause gekommen, wirkt das leider nicht allzu authentisch. In einer viel früheren Szene übergibt sich Gnaghi auf eben erwähntes Mädchen. Statt sich jedoch zu ekeln oder aufzuregen, wird dieses Geschehen abgetan, als sei es das Alltäglichste auf der Welt. Möglicherweise intendiert Michele Soavi in diesen Momenten witzige Verhaltensweisen, tatsächlich aber sorgen diese selbst im Komödienkontext zu unnatürlichen Charaktere eher für ein Stirnrunzeln beim Zuschauer.

Abgesehen davon ist DellaMorte DellAmore aber gar kein übles Midnight Movie. Die Spezialeffekte sind für 1994 in Ordnung, der Einsatz von Schnitt und Kamera stimmig und das Ende des Films unerwartet interessant. Zwar wünscht man sich bisweilen, Michele Soavi hätte doch lieber einen ernsten Horrorfilm gemacht, denn seine Stärken liegen erkennbar in den verstörenden Augenblicken, im Endeffekt ist sein eigenwilliger Mix aber immerhin sehenswert.

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