Strings

Strings - FilmplakatSie existiert bereits seit der Antike, als die alten Ägypter sie etwa 2000 Jahre v. Chr. bei Ritualen und Zeremoniern einsetzten: Eine mittels geschickter Handgriffe über Fäden kontrollierbare Miniaturversion des Menschen, die Marionette. Rund 4000 Jahre später war es dann endlich an der Zeit, dass sich jemand daran wagte, den ersten abendfüllenden Marionettenspielfilm der Welt zu drehen. Dem dänischen Regisseur Anders Rønnow Klarlund kam während eine Flugs die Idee zu Strings, die er schließlich mit einem Budget von 5 Millionen Euro, 10 Kilometern Schnur und 22 der besten Puppenspieler Europas in Form eines mitreißenden Fantasy-Epos realisierte. Weiterlesen „Strings“

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Primer

Primer - FilmplakatEs ist immer wieder eindrucksvoll, wenn aus wenig finanziellen Mitteln ganz besondere filmische Projekte realisiert werden. Primer ist Shane Carruths Debütfilm aus dem Jahr 2004 und kostete lediglich rund 7000 Dollar. Carruth zeichnete nicht nur für Regie und Drehbuch verantwortlich, sondern übernahm auch die Produktion, den Schnitt, die Musik und stand darüber hinaus in der Hauptrolle vor der Kamera seines intelligenten, kleinen Science-Fiction-Films. Weiterlesen „Primer“

This Charming Girl

This Charming Girl
© CJ Entertainment

Manchmal braucht es nicht viel, um einen sehenswerten Film zu drehen. Der mehrfach preisgekrönte Debütfilm von Lee Yoon-ki, This Charming Girl, erzählt eine sehr reduzierte Geschichte, die eigentlich gar keine ist, sondern viel mehr die filmische Skizze eines Charakters.

Insofern ist jeder Handlungsabriss gleichermaßen umfassend wie nichtssagend. Die junge Frau Jeong-hye (Kim Ji-soo) lebt allein in einer kleinen Wohnung und fährt täglich mit dem Bus zur Arbeit auf dem Postamt. Für die Kolleginnen hat sie auf Nachfrage höfliche Worte übrig, aber keine emotionale Bindung. Von Freunden und Familie ist nichts zu sehen; die Abende verbringt Jeong-hye vor dem Fernseher, ohne sich wirklich mit dem Gezeigten zu befassen. Am nächsten Tag beginnt die Routine von neuem.

Regisseur Lee hält den Plot minimal und weitgehend so belanglos und unscheinbar wie seine Protagonistin selbst, die nicht auf Menschen zugeht, niemals die Initiative ergreift und nur ihr leeres, einsames Dasein fristet. Erst als sie vor dem Haus ein kleines Kätzchen findet und bei sich aufnimmt, sind erste Anzeichen einer Öffnung spürbar. Warum Jeong-hye jedoch allgemein derart emotional abgeschottet gegenüber ihren Mitmenschen agiert, deutet Lee mit prägenden Augenblicken ihrer Vergangenheit an, die inszenatorisch geschickt in die gegenwärtigen Szenen verwoben wurden. Kein Schnitt trennt die Rückblicke vom Hier und Jetzt, sondern oft nur eine Kamerabewegung, ein kleiner Schwenk. Räumlich bewegt sich das Bild vielleicht nur um wenige Meter, während es zeitlich viele Jahre zurückblicken lässt. So gewinnen vergangene Traumate fast schon eine Beiläufigkeit, die zu Jeong-hye passen mag, hat sie doch alles Negative aufgesogen und in die hinteren Kammern ihres Innersten verdrängt.

Statt den Blick auf sich selbst zu richten, hat Jeon-hye das Auge für die kleinen Dinge des Alltags, für die subtilen Momente, an denen uns die zurückhaltende Kamera teilhaben lässt. Normalerweise am Rande der Wahrnehmung, widmet sich Lee dem Unscheinbaren wie beispielsweise dem Verlieren von Wimpern und dem Einschlafen im Bus, Belanglosigkeiten, die ihm Einklang mit seiner zurückgezogenen Protagonistin stehen. Ihre Motivationen bleiben weitgehend vage, so richtig lernen wir Jeong-hye nicht kennen, denn dafür ist sie zu komplex, und doch fühlt man sich hinterher ein wenig näher, vielleicht ein wenig hoffnungsvoller, auf jeden Fall aber um eine Erfahrung reicher. This Charming Girl ist ein minimalistisches Drama, eine entschleunigte Charakterstudie, die sich ganz allmählich in der Gewöhnlichkeit des Alltags entfaltet. Gemächlich und still, doch mit einem tiefsitzenden Druck, für den Jeong-hye nach all der Zeit möglicherweise ein Ventil findet. Und dann? Wer weiß…

Immortal

Immortal

Wenn der renommierte Comicautor Enki Bilal seinen Stift beiseite legt, setzt er sich gerne auf den Regiestuhl und dreht Filme. Dass das nicht immer eine gute Idee ist, beweist der 2004 erschienene Immortal, ein mystischer Sci-Fi-Thriller im New York der Zukunft.

Die Filmhandlung dreht sich zum einen um den ägyptischen Gott Horus (Thomas M. Pollard), der im Jahr 2095 zusammen mit Anubis und Bastet in einer gigantischen Pyramide über New York schwebt. Die Zeit seiner Unsterblichkeit ist fast abgelaufen und so bleiben ihm lediglich sieben Tage, um die Stadt nach einer geeigneten Frau abzusuchen, mit der er sich vereinen kann. Diese scheint er in der außergewöhnlichen Jill (Linda Hardy) gefunden zu haben. Die junge Frau mit der weißen Haut und dem blauen Haar unterzieht sich derweil einigen Experimenten bei der zwielichtigen Ärztin Dr. Elma Turner (Charlotte Rampling), die für die Eugenics Corporation arbeitet, einer Organisation, die die gesamte Bevölkerung unter einer Medizindiktatur unter Kontrolle hat. Künstliche Körperteile sind nämlich mittlerweile alltäglich geworden. Menschen oder Mutanten ohne irgendwelche Ersatzteile gibt es eigentlich kaum. Doch Jill ist anders. Ihre Organstruktur ist von Natur aus äußerst merkwürdig, zudem verfügt sie über die Kraft, Gedanken zu lesen und eine Art Energiebälle aus ihren Händen schießen zu können. Horus allerdings benötigt in seinem unstofflichen Dasein einen Wirtskörper, um die sexuelle Vereinigung mit der auserwählten Frau zu vollziehen. Da kommt es ihm ganz gelegen, dass mit Nikopol (Thomas Kretschmann), seines Zeichens Gründer einer Widerstandsbewegung gegen Eugenics und berüchtigter Staatsfeind, zufällig aus dem 30-jährigen Kälteschlaf erwacht, weil sich seine Schlafkapsel von einer Gefängnisplattform löst und in die Tiefe stürzt. Beim Aufprall verliert er allerdings ein Bein und droht zu verbluten. Horus rettet sein Leben und schmiedet ihm ein künstliches Bein unter der Bedingung, dass ihm Nikopol von nun an als Wirtskörper diene.

Abseits des Haupthandlungsstrangs gibt es noch einen ambitionierten Inspektor, der eine Mordserie aufklärt, die mit Horus in Verbindung steht und letztlich zu Nikopol führt. Außerdem trifft sich Jill immer wieder mit einem vermummten Freund und Drogendealer namens John, der ihr Pillen verabreicht, die ihr helfen sollen, ihre undurchsichtige Vergangenheit zu vergessen und sie nach und nach zu einer menschlichen Frau werden lassen. John bezeichnet sich selbst als Wanderer, der schon bald die Erde verlassen wird. Möglich sei dies durch den als verbotene Zone gekennzeichneten Central Park, in dem es Risse zu geben scheint, mit deren Hilfe man in der Lage sein soll, Raum und Zeit überwinden.
Enki Bilals Ideen sind grundsätzlich nicht unbedingt schlecht, aber Weiterführung und Verknüpfung lassen zu wünschen übrig. Viele Handlungselemente werfen Fragen auf, von denen am Ende nur wenige geklärt werden. Nikopols Vergangenheit wird beispielsweise nur durch leuchtende Hologrammtafeln angedeutet, auf denen Parolen gegen Eugenics zu finden und mit „The Spirit Of Nikpol“ unterzeichnet sind. Der Zuschauer erfährt, dass Nikopol Auslöser einer Widerstandsbewegung ist, doch weiter wird darauf nicht eingegangen. Ebenso bleibt das ganze Mysterium um den Central Park völlig im Dunkeln. Jills Vergangeneit bleibt dem Zuschauer genauso verborgen wie Dr. Elma Turners Beweggründe. Die Ärztin betont außerdem mehrmals mit dem Widerstand zu sympathisieren, doch Taten lässt sie den Worten nicht folgen und zu einem Kontakt mit Nikopol kommt es gar nicht erst. Den Schwerpunkt legt Bilal also auf die Geschichte um Jill und Nikopol (inklusive Horus). Zuerst handelt Nikopol natürlich ausschließlich im Sinne Horus‘, doch nach und nach beginnt er, etwas für die junge Frau zu empfinden und die Ansichten des Gottes, für den Menschen nur Werkzeuge sind, zu hinterfragen. Tatsächlich aber bietet der Handlungsstrang, wenn man ihn isoliert betrachtet, ausgesprochen wenig und ist im Grunde sogar der spannungsärmste. Als Zuschauer gewinnt man stellenweise den Eindruck, Enki Bilal habe die weiteren Charaktere mit ihren nur angerissenen Geschichten und Mysterien lediglich eingebaut, um die Filmzeit auf eine angemessene Länge zu bringen.

Ist Immortal was die Handlung angeht bereits überladen und unbefriedigend, kann der Film die eklatanten Drehbuchschwächen auch nicht über seine Optik wettmachen. Zugegeben, die am Computer entstandenen Hintergründe des ziemlich vertikalen New Yorks mit seinen Oberleitungen für die „schwebenden“ Autos sehen äußerst gut aus. Die Atmosphäre der Stadt erinnert zeitweise positiv an Blade Runner (Ridley Scott, 1982), aber erreicht dessen Qualität zu keinem Zeitpunkt. Trotzdem sind es nicht die Umgebungen, sondern die Figuren, die das Gesamtbild erheblich stören. Zunächst fragt man sich, warum Enki Bilal überhaupt die Entscheidung traf, drei Charaktere (Jill, Nikopol, Dr. Turner) mit realen Schauspielern zu besetzen, während der Rest aus CGI-Modellen besteht. Es gibt visuell wirklich gelungene Szenen, aber die meiste Zeit wirken die Darsteller vor dem virtuellen Hintergrund und neben den computeranimierten Charakteren wie Fremdkörper. Bei den ägyptischen Göttern ist es noch verschmerzlich, dass dort auf CGI gesetzt wurde und Horus und Co. sind durchaus gelungen, aber die zahlreichen Bewohner der Stadt verdeutlichen, dass ein Budget von 23 Mio. $, aber vor allem die damalige Technik einfach nicht ausreichten, um Bilals Vision zufriedenstellend auf die Leinwand zu zaubern. Die Figuren können nicht gerade mit nahezu realistischen Animationen aufwarten und detailreche Texturen sind ebenfalls Mangelware. Zu keinem Zeitpunkt erreichen die CGI die Qualität von Pixar oder Dreamworks.
Während die Ästhetik des Films manchmal nicht übel, aber gößtenteils irritierend ist, kann dafür wenigstens der Soundtrack punkten. Die Tracks unterlegen die Szenen zu jeder Zeit passend. Unter anderem finden sich Stücke von Bands wie Sigur Rós, die mit ihrer stimmungsvollen Musik stark zur von Bilal beabsichtigten Atmosphäre beitragen.

Alles in allem bleibt Immortal aber höchstens Mittelmaß. Die angerissenen Handlungselemente und das Grundkonzept deuten das Potential von Bilals Ideen zwar an, aber scheitern letztlich an der Ausführung. Im visuellen Bereich muss sich der Regisseur vorwerfen lassen, nicht konsequent genug gewesen zu sein, entweder einen komplett animierten Spielfilm zu drehen oder auf CGI-Figuren weitgehend zu verzichten. Seine merkwürdige Mischung wird so zu einem gescheiterten Experiment. Wer sich jedoch vom Setting angesprochen fühlt, ist wahrscheinlich mit Bilals Comics der Nikopol-Trilogie besser bedient, auf welcher der Film ohnehin nur äußerst lose basieren soll.

Kamikaze Girls

Kamikaze Girls

Der Originaltitel Shimotsuma monogatari heißt wörtlich übersetzt „Shimotsuma-Geschichte“, wobei Shimotsuma ein kleines ländliches Kaff unweit von Tokyo ist. Der internationale Titel lautet allerdings – wohl der Einfachheit halber – Kamikaze Girls, was zwar wesentlich prägnanter klingt, unglücklicherweise aber nun den selben Namen wie eine japanische Filmreihe mit pornographischem Inhalt trägt. Wer jedoch nicht gerade die obskursten Importshops aufsucht, sollte eine Verwechslung vermeiden können und bekommt eine quietschbunte Komödie von Tetsuya Nakashima serviert, inklusive Rokoko-Kleidchen und Bikergangs.

Versailles im 18. Jahrhundert, dorthin verschlägt es die 17-jährige Momoko (Kyôko Fukada) in ihren Tagträumereien. Die dekadente Mode des französischen Rokoko-Adels hat es ihr derart angetan, dass sie sich in Tokyo stets die neuesten Kleider kauft und tagein tagaus nichts anderes trägt. Momokos Mutter, eine ehemalige Prostituierte, hat die Familie längst verlassen, ihr Vater, ein Ex-Yakuza, verdient sich seine Brötchen mit dem Verkauf gefälschter Designermode. Als der Betrug auffliegt, sind er und Momoko gezwungen, die Stadt zu verlassen und aufs Land, nach Shimotsuma, zur etwas wirren Großmutter zu ziehen. Um sich weiterhin aufputzen und in teure Kleider hüllen zu können, braucht Momoko allerdings dringend das nötige Kleingeld. Kurzerhand beschließt sie, die Restbestände der falschen Markenkleidung zu verschleudern. Dabei lernt sie die rebellische Ichigo (Anna Tsuchiya) kennen, die ihr immer wieder völlig begeistert große Klamottenmengen für sich selbst und ihre Frauen-Bikergang abkauft. Obwohl keine der beiden es zugeben würde, werden sie schnell unzertrennliche Freunde. Und schon bald kommt Momoko nicht umhin, ihre neugewonnene und nun einzige Freundin auf eine Mission nach Tokyo zu begleiten, um eine legendäre Stickerin zu finden, denn Ichigo plant für die abdankende Anführerin ihrer Gang eine ganz besondere Stickarbeit…

So skurril der Plot bis hierhin auch ist, ist er zugleich eine wunderbare, stilisierte Veranschaulichung japanischer Pop- und Jugendkulktur. Die Charaktere sind mit ihrem auffälligen Äußeren und ihren seltsamen Eigenheiten letztlich nicht schlecht getroffene – wenngleich überzeichnete – Abbilder realer Phänomene. Momokos Hang zur sogenannten Lolita-Mode ist in Japan zwar nicht allgegenwärtig, aber weder selten, noch eigenartig. Im Film kauft sie ihre Kleider bei einem Label namens Baby, The Stars Shine Bright, einer übrigens tatsächlich existierenden Marke für derartige Modewünsche. Auf der anderen Seite passt die aufmüpfige, toughe Ichigo genau ins Bild der in den 80ern aufkommenden Subkultur, die man in Japan gemeinhin als Yankī bezeichnet: Rebellische Jugendliche, die ihrer kriminellen Ader freien Lauf lassen und der Obrigkeit entgegenwirken, wo sie nur können. Präziser definiert man Mädchen wie Ichigo sogar als Teil der Bōsōzoku. Unter diesem Namen fasst man vor allem jugendliche Gangs zusammen, die mit illegal aufgerüsteten Motorrädern und -rollern die Straßen unsicher machen und sich vornehmlich in Pilotenoveralls oder bestickte Mäntel kleiden.

Nakashimas Film ist zum einen zwar eine spaßige Komödie, die in schrillen Farben daherkommt, andererseits aber auch eine Kritik am Trendwahn und Gruppenzwang der Japaner, der die tatsächlichen Bedürfnisse eines Individuums leugnet und ihm stattdessen ein falsches Glück vorgaukelt, wie Momoko und Ichigo am eigenen Leib erfahren müssen.
Während einiger animierter Sequenzen und einer visuell äußerst ansprechenden Collage aus Renaissance-Gemälden versucht Momoko dem Zuschauer bereits zu Beginn des Filmes weiszumachen, dass sie nichts als ihre hübschen Kleider brauche, dass sie Freunde als überflüssig und unnötig erachte. Ichigo hingegen ist der Meinung, dass man nur weit kommt, wenn man hart ist und dass eine Frau ohnehin niemals weint. Im Laufe ihres gemeinsamen Abenteuers werden beide Mädchen natürlich eines besseren belehrt, doch Kamikaze Girls kommt dabei glücklicherweise ohne aufgesetzten Kitsch aus und setzt in einer ungewöhnlichen Freundschaft in einer Welt aus falschen Markenprodukten und falschen Idealen auf echte Emotionen.

Die Tiefseetaucher

Die Tiefseetaucher

Auf welche Weise ehrt man am besten einen großen Meeresforscher und Dokumentarfilmer wie Jacques-Yves Cousteau? Genau, man dreht einen Film über einen Meeresforscher und Dokumentarfilmer. Die Tiefseetaucher ist jener Film, den Wes Anderson als heitere, aber auch nachdenkliche Hommage an Cousteau konzipierte, inklusive roter Mütze als Markenzeichen.

Steve Zissou (Bill Murray) ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Er ist begeisterter Meeresforscher und hält sämtliche Erfahrungen und Erkenntnisse mit seiner Crew filmisch fest, um sie anschließend der Welt zu präsentieren. Als eines Tages bei einem Tauchgang sein Kollege und bester Freund Esteban (Seymour Cassel) von einem, wie Zissou sagt, Jaguar-Hai gefressen wird, kennt der Seemann nur noch eins: Rache.
Zusammen mit seiner illustren Mannschaft bricht er auf, um das Tier aufzuspüren, zu töten und dabei zu filmen. Mit an Bord sind unter anderem auch sein möglicher Sohn Ned (Owen Wilson), den Zissou fortan Kingsley nennt, und die schwangere Journalistin Jane (Cate Blanchett). Doch die Suche nach dem Hai wird alles andere als ein Spaziergang. Neben Problemen mit den Geldgebern, gibt es vor allem auch Ärger mit Piraten und der Küstenwache.

Die besondere Stärke sind aber zum einen all die kleinen Geschichten, die die Charaktere durchmachen, um zu begreifen, wer sie wirklich sind und was sie tatsächlich wollen. Vor allem Steve Zissou lernt, seine direkte und negative Art zu reflektieren. Auf der anderen Seite trägt speziell die einzigartige Atmosphäre zum Filmerlebnis bei. Da gibt es Zissous Schiff, dessen Räumlichkeiten ohne Schnitte wie eine Reise durch den Querschnitt des selben gefilmt werden; weiterhin sind die Unterwasseranimationen (von Henry Selick) einen besonderen Blick wert. Es wirkt alles ein wenig selbstgebastelt, aber doch durch und durch authentisch; gerade so, als hätte es einen Hauch von der Ästhetik eines Michel Gondry.
Die musikalische Untermalung gestaltet sich locker und durchaus gut gelaunt. Sie unterstreicht die Atmosphäre unter anderem mit in portugiesisch gesungenen und auf der Akustikgitarre gespielten David-Bowie-Songs.

Die Tiefseetaucher ist ein buntes Wes-Anderson-Drama mit zahlreichen amüsanten, wie auch bedrückenden Momenten, ein schönes kleines Abenteuer mit Exzentriker Zissou und seiner skurrilen Crew, die letztlich viel mehr eine große Familie ist. Und mit den Problemen von Familien beschäftigt sich Anderson in seinem Werk gerne und vor allem gekonnt. Hier präsentiert er uns aber in erster Linie eine unterhaltsame Seefahrt für Zuschauer jeden Alters, die als Film erstaunlich gut funktioniert.