Looper

Looper

Nach dem herausragenden Brick (2005), einem Neo-Noir mit Highschool-Setting, und dem gelungenen Brothers Bloom (2008), einer Komödie über ein Brüderpaar von Trickbetrügern, stößt Regisseur Rian Johnson nun in das Science-Fiction-Genre vor und präsentiert mit seinem dritten Spielfilm Looper einen Blockbuster, der nicht nur sich, sondern auch seine Zuschauer ernst nimmt.

Wir schreiben das Jahr 2044; Zeitreisen sind noch nicht erfunden, aber einige Jahre später werden sie es sein. Und man wird sie verbieten. Doch kriminelle Subjekte und Gruppierungen nutzen illegale Zeitmaschinen, um unerwünschte Personen auszulöschen. Menschen werden in die Vergangenheit zurückgeschickt und dort von sogenannten Loopern hingerichtet. Anschließend werden die Leichen verbrannt und damit jede Spur verwischt. Es ist, als hätten sie nie existiert. Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist einer dieser Looper, ein egozentrischer Henker, der keine Fragen stellt, solange er bezahlt wird. Das Opfer taucht vor ihm am vereinbarten Ort zum vereinbarten Zeitpunkt auf, Joe erschießt es und kassiert. Routine.
Jeder Looper gelangt in seinem Leben außerdem an den Punkt, an dem er seinen letzten Job, nämlich sich selbst erledigt. Anschließend hat er die nächsten dreißig Jahre ein unbeschwertes Leben, bis er schließlich durch die Zeit zurückgeschickt und von seinem vergangenen Ich getötet wird, damit sich seine Auftraggeber von jeder möglichen Verbindung lösen. Man spricht hierbei vom Schließen seines Loops. Als Joe jedoch eines Tages seinem zukünftigen Ich (Bruce Willis) gegenübersteht, zögert er und ermöglicht seinem Loop damit die Flucht. Wer seinem Loop entkommen lässt, ist allerdings geliefert: Joes Arbeitgeber sehen sein Versagen gar nicht gerne und wenn er seine eigene Haut retten will, muss er schleunigst sein dreißig Jahre älteres Ich aufspüren und töten. Der Joe aus der Zukunft kann sich mit dieser Idee aber natürlich gar nicht anfreunden und verfolgt stattdessen seine ganz eigenen Pläne.

Looper ist ein einfallsreicher Thriller im Sci-Fi-Gewand. Wie im Genre so üblich funktioniert das immer dann besonders gut, wenn die Handlungsprämisse mindestens interessant und bestenfalls innovativ ist. Die Geschichte um Auftragskiller, die ihre Opfer aus der Zukunft geschickt bekommen, fügt sich in eine Reihe von Zeitreisefilmen ein, darf aber durch diesen etwas anderen Ansatz an die Thematik als gelungener Unterbau für die Filmhandlung bezeichnet werden. Statt die innere Logik seiner aufgestellten Plotregeln zum Mittelpunkt des Geschehens zu machen und lediglich durch eine Actionsequenz nach der anderen zu verbinden, rückt Rian Johnson das Storytelling in den Fokus. Er verleiht der Handlung auf diese Weise nicht nur eine gewisse Komplexität, sondern nähert sich seinen Figuren auch auf emotionaler Ebene an. Ein Aspekt, den vergleichbare Sci-Fi-Blockbuster wie beispielweise Inception (Christopher Nolan, 2010) trotz ihrer handwerklichen Qualitäten zu sehr außer Acht lassen. Doch Johnson ist der emotionale Zugang zu seinen Charakteren wichtig. Aus diesem Grund lässt er es sich auch nicht nehmen, den Plot des Films immer wieder zu entschleunigen, um den Figuren mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Der Plan geht deshalb auf, weil das durchdachte Drehbuch mit seinen Wendungen garantiert, dass der nächste spannende Augenblick dennoch nie zu lange auf sich warten lässt. Der Regisseur bleibt seinem intelligenten Erzählstil treu und verweigert sich der rasanten Eintönigkeit vieler Actionthriller, deren dünne Handlung ohnehin nur Mittel zum Zweck ist.

Visuell erinnert Looper in seinen Großstadtsequenzen durch die Lichteffekte an Klassiker wie Blade Runner (Ridley Scott, 1982), spielt sich jedoch besonders in der zweiten Filmhälfte mehr auf dem Land ab, wo die futuristischen Elemente weniger zum Tragen kommen und eher dezent eingesetzt werden. Dadurch wahrt der Film eine ungewöhnliche Authentizität, die ihm gut zu Gesicht steht.
Der Look von Joseph Gordon-Levitt als Joe mag zunächst gewöhnungsbedürftig sein, erscheint aber angesichts der Tatsache, dass sein zukünftiges Ich von Bruce Willis verkörpert wird, letztlich doch sehr passend. Die Maske leistete gute Arbeit; eine Ähnlichkeit der beiden Gesichter lässt sich nicht abstreiten. Und wen die Geschichte genügend fesselt, der stört sich an Gordon-Levitts angepasstem Aussehen auch nicht länger.

Auf einem Markt von zahlreichen teuren Hollywoodproduktionen, die nicht mit Spezialeffekten geizen, wohl aber desöfteren am Drehbuch sparen, zeigt sich Looper als gelungene Abwechslung zum anspruchslosen Effektkino. Massenkompatibilität muss eben nicht zwangsläufig negativ konnotiert sein, doch die in der Traumfabrik vorherrschende Hirn-aus-und-ab-die-Post!-Mentalität, wenn es um große Blockbuster geht, wird leider nicht verschwinden, solange sie sich auszahlt.

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Moonrise Kingdom

Moonrise Kingdom

Das Filmfestival von Cannes hat traditionell eher den Fokus auf bedeutsame, ernste Filme gerichtet. Umso erfrischender also, dass es 2012 mit einer gewissen Leichtigkeit eröffnet wurde, als Wes Anderson seine neue Komödie Moonrise Kingdom präsentierte.

Wir schreiben das Jahr 1965. Ort der Handlung: Eine kleine Insel ohne befestigte Straßen vor der Küste von New England. Der zwölfjährige Sam (Jared Gilman) ist Pfadfinder bei den Khaki Scouts, die gleichaltrige Suzy (Kara Hayward) die introvertierte Tochter eines neurotischen Anwaltspaars (Frances McDormand & Bill Murray). Die Kinder verlieben sich ineinander und beschließen, der Welt den Rücken zu kehren und in die Wildnis zu fliehen. Selbstverständlich sind die Erwachsenen ganz und gar nicht damit einverstanden. Scout Master Randy Ward (Edward Norton) organisiert seine Pfadfinder umgehend zu einem Suchtrupp, Suzys besorgte Eltern setzen ihre Hoffnung in den Polizisten der Insel, Captain Sharp (Bruce Willis). Es dauert nicht lange, bis die Suche nach den beiden Ausreißern eine immer größere Personenzahl involviert und als zu allem Überfluss auch noch ein gewaltiger Sturm die Inselregion heimsucht, droht der jungen Liebe ein jähes Ende.

Auf den ersten Blick bleibt der Regisseur seinem Stil treu: Moonrise Kingdom ist ein waschechter Wes Anderson mit dysfunktionalen Familien und jeder Menge bunter Details, die seine typische Ästhetik prägen. Alles wie gehabt? Nicht ganz, denn zum einen verbergen sich unter der Oberfläche des Films ganz persönliche Erfahrungen und Erinnerungen aus Andersons Kindheit im Pfadfinderlager, die ihn zu dieser Geschichte inspirierten. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Werk ist dieses Mal also deutlich intimer als bei seinen vorherigen Filmen und verleiht ihm eine autobiografische Note.
Im Widerspruch dazu – und das ist die auffallendste Schwäche des Films – steht seltsamerweise die ungewöhnliche Distanz, die der Zuschauer zu den Figuren hat. Ganz anders als beispielsweise in Die Royal Tenenbaums (2001), Die Tiefseetaucher (2004) und Darjeeling Limited (2007) bleiben die Charaktere in Moonrise Kingdom blasser als gewohnt. Anderson kratzt hier nur an der Oberfläche und erreicht zu keinem Zeitpunkt die emotionale Tiefe, die seine Filme sonst so auszeichnet. Insbesondere gegen Ende zeigt sich auch die Dramaturgie als nicht ganz so ausgeklügelt, wenn sich die Ereignisse ein wenig überschlagen und die Geschichte zu einem gehetzten Ende gebracht wird, mit dem es sich Anderson ein wenig zu einfach macht.

Trotzdem bietet Moonrise Kingdom starke Unterhaltung und wird für Freunde skurriler Komödien sicher nicht langweilig. Es handelt sich zwar nicht um Wes Andersons besten Film, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Visuell zeigt sich der Regisseur mal wieder in Hochform. Verblichene Gelbtöne dominieren die Farbpalette ohne ins allzu Künstliche eines Jean-Pierre Jeunet abzudriften. Kostüm- und Setdesign sind herausragend stilvoll und zeigen einmal mehr, wie es Anderson gelingt, ein dichtes, ästhetisches Universum zu errichten, das all seine Filme verbindet. Das aufgebotene Darstellerensemble spielt seine Rollen überzeugend, sowohl die etablierten Stars um Murray, Willis und Norton, als auch die beiden Jungschauspieler Kara Hayward und Jared Gilman. Der Soundtrack reicht von opulenten Orchesterstücken bis hin zu französischen Chansons und untermalt die Bilder perfekt.
An manchen Stellen fragt man sich zwar, ob Moonrise Kingdom nicht ein wenig mehr Substanz hätte vertragen können, in Anbetracht der so liebevoll erzählten Geschichte möchte man Anderson diesen Makel aber gern verzeihen und den Film genießen.

Planet Terror

Planet Terror

Quentin Tarantino und Robert Rodriguez sind nicht nur Kollegen in ihrem Handwerk, sondern auch gute Freunde, die dem jeweils anderen immer mal wieder Freundschaftsdienste in dessen Film erweisen. Im Jahr 2007 erschienen dann erstmals Filme von beiden in einem Double Feature, angelehnt an die Vorführungen zweier Kinofilme zum Preis von einem in sogenannten Grindhouses in den 70er-Jahren. Entsprechend betitelten die beiden Regisseure ihr gemeinsames Kunstwerk auch mit dem Namen „Grindhouse“. Während Tarantino mit Death Proof eine Art Roadmovie mit rasanten Verfolgungsjagden im Stile von Fluchtpunkt San Francisco (Richard C. Sarafian, 1971) inszenierte, setzte Rodriguez auf eine muntere Zombiesplatterei namens Planet Terror.

Lieutenant Muldoon (Bruce Willis) und seine Jungs wurden in Afghanistan durch ein gefährliches Giftgas mit einem Virus namens DC2 infiziert. Die Folgen sind gradueller Zerfall des Körpers und eine auf triebgeleitetes Zombieverhalten reduzierte Hirnfähigkeit. Um dem entgegenzuwirken, hilft nur eine dauerhafte Dosis des Gifts selbst. Bei der Übergabe von DC2 an einer Militärbasis kommt es jedoch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen das giftige Gas freigesetzt wird und die Bewohner der umliegenden Stadt nach und nach in Zombies verwandelt.
Währenddessen trifft die Ex-Go-Go-Tänzerin Cherry Darling (Rose McGowan) im außerhalb der Stadt gelegenen Barbecue-Restaurant „The Bone Shack“ auf ihren Ex-Freund El Wray (Freddy Rodríguez), dem aufgrund einer mysteriösen Vergangenheit jeglicher Waffenbesitz untersagt ist. Ob er sich tatsächlich daran hält, ist eine andere Sache, denn Waffen werden schon bald überlebenswichtiger denn je. Die Rückkehr in die Stadt wird zu einer Fahrt ins örtliche Krankenhaus, denn unterwegs wird Cherry von Zombies angegriffen und verliert ihr rechtes Bein, bevor El Wray die Kreaturen in die Flucht schlagen kann.
Im Krankenhaus hat Dr. Block (Josh Brolin) alle Hände voll zu tun, denn mehr und mehr Leute werden mit Verletzungen – insbesondere Bisswunden – eingeliefert. Während seine Ehefrau, die Anästhesistin Dakota Block (Marley Shelton), noch an diesem Tag eigentlich mit ihrer lesbischen Freundin durchbrennen wollte, bricht die Hölle aus in den Fluren, als die zombiefizierten Patienten in die Offensive gehen. Schon bald finden sich die letzten Überlebenden im „The Bone Shack“ ein, um der Zombiehorde erbitterten Widerstand zu leisten.

Die Ästhetik von Planet Terror zeigt sich, ganz wie im Konzept des Projekts zu erwarten, in einem auf alt getrimmten, unsauberen Look, der dem Zuschauer implizieren soll, es tatsächlich mit einer nicht ganz intakten und sauberen Filmrolle aus den 70ern zu tun zu haben. Hierfür bedient sich Rodriguez eines stellenweise verwaschenen und grobkörnigen Bildes, auf dem bisweilen verfärbte Ränder auftauchen. Dabei überlagern diese Bildeffekte nie auf zu penetrante Art und Weise das Gesehene. Die Actionszenen bleiben klar erkennbar und präsentieren sich in hoher Qualität, der man trotz Hommage an trashige Exploitationfilme die Produktionskosten natürlich ansieht.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Der Film ist kein düsterer Zombiehorror, sondern ein amüsantes blutiges Spektakel. Sei es nun Sheriff Hague, der seinem Bruder J.T. um jeden Preis die Rezeptur für dessen unschlagbare Barbecuesauce entlocken will oder El Wray auf einem Minibike, Rodriguez‘ Schlachtplatte nimmt sich keine Sekunde ernst und das ist auch durchaus gut so.

Abschließend bleibt also nur noch zu sagen, dass Planet Terror als actionreiche Zombie-Splatterkomödie im Exploitationstil wunderbare Abendunterhaltung ist. Ein gelungener Streifen für jede Menge Spaß. Maschinengewehr als Beinprothese inklusive!