Dark City

Dark City

Das Science-Fiction-Genre wurde um die Jahrtausendwende vor allem vom Blockbuster Matrix (Andy & Lana Wachowski, 1999) bestimmt. Neben den herausragenden Spezialeffekten begeisterte besonders das Grundkonzept über die Unsicherheit von Wahrnehmung, Erinnerung und – daraus folgend – Realität. Schade ist allerdings, dass das breite Publikum den bereits wenige Monate zuvor erschienenen Dark City in der Hinsicht fast völlig missachtete. Dabei hätte Alex Proyas‘ düsterer Sci-Fi-Thriller im Film-Noir-Gewand weitaus mehr verdient, als bloß in Cineastenkreisen bekannt zu sein.

John Murdoch (Rufus Sewell) erwacht in einem ihm unbekannten Hotelbadezimmer in einer Badewanne. Er weiß weder wie er hier hingekommen ist, noch was geschehen ist. Neben dem Bett liegt die Leiche einer jungen Frau. Kurz darauf klingelt das Telefon und ein nervöser Dr. Schreber (Kiefer Sutherland) am anderen Ende rät Murdoch, umgehend zu fliehen. Tatsächlich sind bereits drei in schwarze Mäntel gehüllte Gestalten auf ihrem Weg durch die Hotelflure. Murdoch entkommt vorerst, doch die einzigen Anhaltspunkte seiner bruchstückartigen Erinnerung sind eine Frau namens Emma (Jennifer Connelly) und ein Ort namens Shell Beach. So viele Fragen der Filmbeginn für Protagonist und Zuschauer gleichermaßen aufwirft, so beeindruckend enthüllt Regisseur Proyas die Antworten Stück für Stück im weiteren Handlungsverlauf.

Warum haben es diese seltsamen Typen auf Murdoch abgesehen? Sind sie eventuell nur Konstrukte seines Geistes? Warum kann sich Murdoch eigentlich nicht mehr erinnern? Ist er tatsächlich ein von Inspector Bumstead (William Hurt) gesuchter Mörder? Und welche Ziele verfolgt eigentlich der ominöse Dr. Schreber? In Bezug auf den Plotinhalt wären weitere Fragen oder Hinweise schon zu viel des Guten, denn gerade bei einem Film wie Dark City, dessen enthüllende Plotpoints die Stützpfeiler der Handlung sind, kann so manche riskante Andeutung im Voraus den Spaß verderben.
Das Setting selbst ist – wie der Titel schon erahnen lässt – eine dunkle Stadt. Dunkel allein schon deshalb, weil der Plot sich im Zwielicht der Nacht entfaltet. Zwischen Laternenschein und Leuchtreklame trifft der Gothic Style aus Proyas‘ The Crow (1994) auf das Art-Déco-Design von Die Stadt der verlorenen Kinder (Jean-Pierre Jeunet & Marc Caro, 1995) und auf deutschen Expressionismus. Die spannende Atmosphäre des Geschehens pendelt irgendwo zwischen Hitchcock, Lang und Kafka, büßt gegen Ende mehr und mehr an Subtilität ein, weiß aber grundsätzlich zu überzeugen. Getreu dem Film-Noir-Stil der Nachkriegszeit bestimmen auch bei Proyas starke Kontraste und kräftige Schatten die Szenenbeleuchtung.

Dark City ist ein finsterer Mix aus Neo Noir und Science Fiction, dessen packende Suche nach Antworten die Realitätswahrnehmung mehr als ein Mal in Frage stellt; Alex Proyas gelang ein stilsicherer Thriller, der in Sachen Art Design und visuelle Effekte fast zeitlos zu gefallen weiß und bis heute unverdient wenig Beachtung geschenkt bekommt.