Hail, Caesar!

Hail, Caesar! - Filmplakat22 Jahre und 17 Filme –  Die Karriere der Coen-Brüder ist inzwischen auf eine stattliche Größe angewachsen, die sie längst als nicht wegzudenkenden Teil Hollywoods etabliert. Um jene Traumfabrik geht es auch in ihrem neuesten Werk, Hail, Caesar!, das uns in die 50er Jahre zurückversetzt, eine Zeit, in der Schauspieler bei den Studios noch fest angestellt waren und sogenannte Fixer sich um all die kleinen und großen Probleme kümmern mussten, die im Filmgeschäft so anfielen. Und die Coens haben sich hierfür einige ganz besonders skurrile Probleme ausgedacht. Weiterlesen „Hail, Caesar!“

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Gravity

Gravity

Sieben Jahre waren seit der virtuos inszenierten Dystopie Children of Men vergangen, die Erwartungshaltung an Alfonso Cuaróns neuesten Film entsprechend groß. Vor allem als sein Freund und Kollege Guillermo del Toro bereits während der Dreharbeiten verlauten ließ, dass mit Gravity etwas Großes auf uns zukäme, und man von nie verwendeter Filmtechnologie sprach, war damit zu rechnen, dass sich Cuarón einmal mehr anschickte, die Grenzen seines Handwerks auszuloten.

Astronaut Matt Kowalski (George Clooney) und Missionsspezialistin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) führen Wartungsarbeiten am Hubble-Weltraumteleskop durch, als ein Funkspruch der NASA-Kommandozentrale vor einem gefährlichen Trümmerfeld warnt, das durch eine Kettenreaktion zerstörter Satelliten entstanden ist und sich mit hoher Geschwindigkeit im Erdorbit bewegt. Ein sicherer Missionsabbruch ist nicht mehr möglich, erste Trümmer treffen einen dritten Astronauten tödlich, zerstören Hubble und Space Shuttle und schleudern Stone und Kowalski als einzige Überlebende des Einsatzes in die Leere des Alls.

Diese erste Viertelstunde, in einem einzigen CGI Tracking Shot ohne sichtbare Schnitte gedreht, von einer schier grenzenlosen Kamera begleitet und mit einem klugen Sounddesign versehen, steht sinnbildlich für genau das – auch in den folgenden 75 Minuten – eindrucksvolle Filmerlebnis, auf das Cuarón viereinhalb Jahre lang hingearbeitet hat. Gravity ist wunderschön anzusehen und fühlt sich an, als wäre man im unendlichen Raum mit dabei, statt nur im Kinosessel. Die Qualität der Spezialeffekte ist absolut außerordentlich. In Verbindung mit für Cuaróns Stil typischerweise nur wenigen wahrnehmbaren Schnitten, sorgen sie für ein dokumentarisches Echtzeitgefühl: Live eine folgenschwere Katastrophe im Weltall miterleben!

Die Angst, sämtliche Fixpunkte zu verlieren und ziellos im ewigen All zu trudeln, bis man an Sauerstoffmangel verstirbt, ist dabei ein ständiger Wegbegleiter, speziell für Dr. Stone, die das erste Mal in ihrem Leben die Erde verlassen hat. Kowalski hingegen begegnet allen Widrigkeiten mit übertriebener Gelassenheit. Es ist seine letzte Mission, kein Grund zur Panik, denn im Weltraum gefällt es ihm ohnehin am besten. Bei nur zwei Darstellern, die die gesamte Zeit über auf sich gestellt sind, ist die Handlung selbstverständlich reduziert und konzentriert. Dr. Stones Überlebenskampf wird gleichzeitig zu einer groß angelegten Metapher für ihre inneren Konflikte und wenn in einigen Actionsequenzen die Leere mit treibender Musik gefüllt wird und Dialoge, sowie Monologe auf eher simple Durchhalteparolen hinauslaufen, steckt darin gewiss ein nicht zu unterschätzendes Maß an Hollywoodkitsch. Angesichts der durchgehenden Spannung und der herausragenden technischen Umsetzung ist es allerdings zu verschmerzen, dass Gravity auf Massenappeal statt auf philosophischen Gehalt setzt.

Regie-Kollege James Cameron bezeichnet den Film als “die beste Weltraum-Aufnahme, die jemals gemacht wurde“. Eines ist sicher, Cuaróns Weltraum-Spektakel begeistert mit unvergesslichen Bildern. Man riet ihm damals, noch ein paar Jahre zu warten, bis die Technologie so weit sei, doch der Mexikaner wollte loslegen und seinen Traum verwirklichen. Jahrelange Filmarbeiten, die aufgrund des hohen technischen Aufwands sogar die Post-Produktion vor die eigentlichen Dreharbeiten schoben und eigens für den Film neu entwickelte Maschinen, um die innovativen Sequenzen entstehen zu lassen, haben sich letzten Endes aber ausgezahlt: Gravity ist ein visueller Meilenstein der Filmgeschichte.

Der fantastische Mr. Fox

Der fantastische Mr Fox

Der Animationsfilmmarkt gehört klar Pixar und Dreamworks, wie die Einspielergebnisse unmissverständlich aufzeigen, doch zum Glück gibt es da immer wieder mal diese kreativen Köpfe und die verfilmen dann das ein oder andere Werk, das in Anbetracht des daraus entstehenden Films anscheinend schon längst einer Leinwandadaption bedurfte. Und ausgerechnet Wes Anderson kommt nun daher und legt mit Der fantastische Mr. Fox einen Stop-Motion-Animationsfilm der besonders gewitzten Art vor. Anderson, der sonst eher für seine außergewöhnlichen Familienfilme wie Die Royal Tenenbaums (2001) oder Darjeeling Limited (2007) bekannt ist, wagt dieses Mal seinen ersten Versuch in Richtung Animationsfilm und zeigt den Altmeistern, wie man sich positiv von der Masse der typischen Familienunterhaltung abhebt und dabei nicht seinen eigenen Stil verliert.

Es ist die Geschichte des titelgebenden Mr. Fox (George Clooney), seines Zeichens wortgewandter Familienvater und ehemaliger Hühnerdieb, der mit seiner Frau (Meryl Streep), seinem mürrischen Sohn Ash (Jason Schwartzman) und seinem Neffen Kristofferon (Eric Anderson) in einem zum Fuchsbau umfunktionierten Baum lebt und sich seinen Lebensunterhalt durch journalistische Tätigkeiten verdient. Das idyllische Familienleben könnte ewig Bestand haben, wären da nicht die drei Bauern Boggis, Bunce und Bean, deren Geflügelfarmen und Apfelweinbrauereien nicht weit vom Hause Fox liegen. Es dauert nicht lange, bis Mr. Fox‘ alte Leidenschaft wieder geweckt wird und so begibt er sich gemeinsam mit dem Opossum Kylie (Wally Wolodarsky) auf nächtliche Raubzüge in die nahegelegenen Hühnerzuchten. Dass diese Taten Konsequenzen in Form des Zorns der Bauern mit sich bringen, hat der gewitzt egozentrische Mr. Fox nicht bedacht. Ein lustiger, spannender, aber auch gefährlicher Kampf zwischen Mensch und Tier beginnt.

Der fantastische Mr. Fox ist ein animierter Kinderfilm mit dem unverwechselbaren Charme eines Wes Anderson, der seine Figuren einmal mehr vor Selbstfindungsprobleme stellt, die ihr Handeln maßgeblich beeinflussen. So ist Mr. Fox zwar ein Fuchs mit Familie, der es an nichts mangelt, trotzdem muss er seiner diebischen Natur und Berufung nachgeben, um die Leere in seinem Leben zu füllen. Sein launischer Sohn Ash leidet unter dem Können seines Cousins Kristofferson, der in allen Lebensbereichen ein Naturtalent zu sein scheint und läuft in einem selbstgebastelten Superheldencape herum, das alles andere als von seinen Komplexen ablenkt. Mrs. Fox schließlich ist eine großartige Künstlerin, aber von den Handlungen ihres Mannes, die das Leben ihrer gesamten Familie aufs Spiel setzen, ganz und gar nicht angetan, hatte Mr. Fox doch versprochen, nach der Geburt ihres Sohnes mit dem Hühnerdiebstahl ein für alle Mal Schluss zu machen. Aus dieser Konstellation ergeben sich so einige interfamiliäre Dialoge, die den Kampf gegen die wütenden Bauern beizeiten fast vergessen machen. Außerdem bleiben neben der Fuchsfamilie und dem Opossum Kylie alle anderen Figuren reichlich blass, was zwar in einem Kinderfilm nicht allzu schwer ins Gewicht fällt und durch den unterhaltsamen Plot ausgeglichen wird, aber gerade bei Boggis, Bunce und Bean sicher durchaus interessant gewesen wäre, hätte man ihren Charakteren mehr Tiefe verliehen.

In ästhetischer Hinsicht ist Der fantastische Mr. Fox über jeden Zweifel erhaben, denn der wunderschöne ländliche Stil ist mit derart vielen Details versehen, dass jede Einstellung zu einem kleinen Kunstwerk wird. Die fast schon klinisch anmutend glatte Optik diverser CGI-Animationsfilme mag technisch sauberer sein, unterliegt aber dem natürlichen Charme, den die handgemachten Puppen und Kulissen versprühen. Der oscarnominierte Filmscore wird vor allem vom kinderliedartigen Main Theme dominiert, das sich im Laufe des Films im Ohr des Zuschauers festsetzt und die Atmosphäre passend unterstreicht.
Wes Anderson gelingt mit seinem ersten Kinder- und Animationsfilm ein besonderes Filmerlebnis, das ebenso ältere Zuschauer anspricht, wie Kinder verzaubert; ein hübsches Stop-Motion-Abenteuer, das sich keiner entgehen lassen sollte und den Markt, der doch bisweilen zu ähnlich erscheinenden Animationsfilme erhellt.