The Salvation

The Salvation - FilmplakatIm trockend heißen Westen der USA angesiedelt und in Wahrheit in Südafrika gedreht, bekommt das wohl amerikanischste aller Genres mit Kristian Levrings The Salvation einen dänischen Touch, der es in sich hat. Das überwiegend europäische Schauspielensemble um Mads Mikkelsen und Eva Green steckt knietief in einer blutigen Rachegeschichte, die keine Gefangenen macht. Weiterlesen „The Salvation“

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Die Jagd

Die Jagd

Wie eine unüberlegte Unwahrheit das Leben eines Menschen zur Hölle machen kann, zeigt Thomas Vinterberg in seinem jüngsten Film Die Jagd, einem eindringlichen Drama, das seinem Hauptdarsteller Mads Mikkelsen eine Auszeichnung in Cannes einbrachte.

Lucas (Mads Mikkelsen) hat es wahrlich nicht einfach. Seine Anstellung als Lehrer musste er aufgeben, weil das Gymnasium wegen Schülermangels geschlossen wurde. Jetzt arbeitet er notgedrungen als Erzieher im Kindergarten seines Heimatdorfs, lebt von seiner Frau getrennt und hat kaum Gelegenheit seinen vierzehnjährigen Sohn Marcus (Lasse Fogelstrøm) zu sehen, der bei seiner Mutter lebt und von der Kontaktaufnahme zu seinem Vater abgehalten wird. In der Kindergruppe der kleinen Gemeinschaft betreut er unter anderem auch die fünfjährige Klara (Annika Wedderkopp), die Tochter seines besten Freundes Theo (Thomas Bo Larsen). Das Mädchen himmelt Lucas an, erkennt in ihm einen Halt in der stressigen Situation zwischen Streitigkeiten ihrer Eltern, der Nichteinhaltung von Terminen und einem daraus resultierenden Gefühl der Vernachlässigung. Als sie Lucas im Kindergarten jedoch einen Kuss auf den Mund gibt, macht dieser ihr deutlich, dass das nicht in Ordnung sei. Irritiert und gekränkt erzählt sie der Kindergartenleiterin Grethe (Susse Wold), dass sie Lucas hasse und vermischt ihre Gedanken mit der Erinnerung an ein pornografisches Bild, das ihr von ihrem älteren Bruder vor wenigen Tagen aus Spaß gezeigt wurde. Mit der Behauptung, Lucas habe ihr seinen Penis gezeigt, löst sie unwissentlich eine Hexenjagd aus, deren Missbrauchsvorwürfe den Erzieher an den Abgrund treiben.

Die filmische Behandlung des Themas Kindesmissbrauch ist für Vinterberg nichts neues. Bereits 1998 widmete er sich in Das Fest innerfamiliären Zerwürfnissen und einer alles überdeckenden Scheinheiligkeit, die einen Mantel kollektiven Schweigens über eine solche Tat legte. Von einem müden Aufguss ist Die Jagd allerdings weit entfernt. Zunächst einmal sind die Zeiten der Dogme-95-Bewegung für den Regisseur wohl endgültig vorbei. Der körnige, dokumentarische Handkamerastil, der Verzicht auf zusätzliche Ausleuchtung und die nicht vorhandene Musik sind längst einer klaren, bodenständigen Ästhetik gewichen, die aber nach wie vor authentisch und unterstützend wirkt, sich den Figuren und ihren persönlichen Dramen unterordnet.

Inhaltlich tritt an die Stelle eines verachtenswerten Heile-Welt-Gehabes nun eine nicht minder abscheuliche direkte Offensive, die eine ganze Ortschaft gegen einen einzelnen Mann aufbringt. Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein, denn wir wissen ja, dass Lucas nichts getan hat, und doch lässt sich die Schuldfrage nicht ohne weiteres abhaken. Klara versucht den Erwachsenen zu erklären, dass sie gelogen und etwas dummes gesagt hat, doch es ist bereits zu spät. So richtig zugehört wird ihr diesmal nicht. Vinterberg zeigt uns Blindheit und Verständnislosigkeit, die einerseits wütend macht, sich andererseits jedoch nicht undenkbar anfühlt. Unmenschlich? Definitiv. Aber auch ein Stück weit nachvollziehbar, wenn man sich in Theo hineinversetzt, der in dem Glauben ist, dass sich sein bester Freund an seiner kleinen Tochter vergriffen hat. Es sind unangenehme Gedanken zu denen der Regisseur seine Zuschauer zwingt.

Die Problematik ist nicht nur zeitlos wichtig, sondern auch gerade in Dänemark hochaktuell. Die öffentliche Diskussion um Kindesmissbrauch an Kindergärten und einige tatsächliche – nicht zwangsläufig bewiesene – Verdachtsfälle aus den vergangenen Jahren bewirkten, dass sich männliche Erzieher inzwischen  hilflos, verunsichert und vor allem stark eingeschränkt fühlen. Strenge Reglementierungen legen fest, dass sie sich nicht mehr allein in einem Raum mit den Kindern aufhalten dürfen, dass sämtliche Türen des Gebäudes immer offen sein müssen und dass sogar in einigen Einrichtungen Körperkontakte wie Umarmungen oder auf den Schoß setzen verboten sind. Die tatsächliche Zahl der Missbrauchsfälle ist nicht gestiegen, wohl aber ein übersensibler Drang nach Schutz, der zu einer beinahe obsessiven Angst angewachsen ist.

Daher ist Vinterbergs Die Jagd auch ein Spiegel der gegenwärtigen dänischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Richtlinien zum Schutz vor sexuellen Übergriffen an Kindern. Hinter diesen Verordnungen mögen die besten Absichten stecken, wie auch hinter dem kollektiven Ausschluss Lucas‘ von der Dorfgemeinschaft, doch letztlich hat die Medaille auch eine leider zu wenig beachtete Kehrseite, wenn unschuldige Menschen fortan unter Dauerverdacht stehen. Der Film konkretisiert einen dieser Verdachtsfälle, denkt ihn konsequent weiter und zeigt uns eindrucksvoll wie ein Mensch beobachtet, isoliert und anschließend gejagt wird. Absolute Empfehlung, aber nichts für heitere DVD-Abende.

Adams Äpfel

Adams Äpfel

Der Däne Anders Thomas Jensen ist eigentlich Drehbuchautor, aber so manches Mal hat er darüber hinaus selbst Regie geführt. Über sein Heimatland hinaus bekannt wurde er dabei vor allem durch seine skurrile Komödie Dänische Delikatessen (2003). Zwei Jahre später folgte mit Adams Äpfel seine nächste Regiearbeit, nicht minder ausgefallen und ebenso unterhaltsam.

Im Zentrum der Handlung stehen Pfarrer Ivan (Mads Mikkelsen), der sich mitten im dänischen Nirgendwo um die Resozialisierung Straffälliger kümmert, und der Neuzugang seiner illustren Gruppe, Neonazi Adam (Ulrich Thomsen). Vor der kleinen Kirche, in der Ivan mit unendlicher Gutmütigkeit die verirrten Seelen zurück auf den richtigen Pfad führen will, wächst ein prächtiger Apfelbaum. Wie jeder Neuankömmling im Gotteshaus muss sich auch Adam eine Aufgabe stellen, auf die er seine Aufmerksamkeit lenken kann. Seine Entscheidung: Einen Apfelkuchen backen.
Während Ivan von seinen Methoden absolut überzeugt ist, sind die weiteren Bewohner seines Horts der Nächstenliebe in Wahrheit nicht so resozialisiert, wie er glaubt. Dazu gehören der insgeheim rückfällige Triebtäter Gunnar (Nicolas Bro), der arabischstämmige Tankstellenräuber Khalid (Ali Kazim) und die Alkoholikerin Sarah (Paprika Steen). Als hielte dieses verrückte Ensemble, in das sich Pfarrer Ivan problemlos einreihen lässt, Adam nicht schon genug auf Trab, lässt sich eines Tages ein Schwarm Krähen im Apfelbaum nieder. Für Ivan ein ganz klares Zeichen, dass eine höhere Macht versucht, Adam an der Erfüllung seiner Aufgabe zu hindern.

Adams Äpfel setzt natürlich auf den schwarzen Humor durch die Interaktion seiner abgedrehten Charaktere. Interessanterweise ist es Neonazi Adam, der dem Zuschauer am normalsten erscheint. Trotz seiner rechten Vergangenheit ist es besonders die rationale Herangehensweise, die ihn womöglich zur stärksten Identifikationsfigur macht. Ivan hingegen ist das krasse Gegenteil. Seine Weltsicht ist vom Glauben an Gott und an das Gute im Menschen auf nahezu fanatische Weise geprägt. Kein Wunder also, dass der Pfarrer und der Neonazi immer wieder aneinander geraten. Beachtlich ist, dass es gerade dieses blinde Folgen einer Lebenseinstellung ist, die Adam so an Ivan stört, obwohl rechtsgerichtete Menschen nicht gerade für das Infragestellen dogmatischer Prinzipien bekannt sind. Das ist aber auch das schöne daran: Anders Thomas Jensen gibt sich nicht mit flachen Klischees zufrieden. Stattdessen zeigt er auf, dass Neonazis ebenfalls Menschen mit ihren individuellen Stärken und Schwächen und vor allem der Fähigkeit zur Veränderung sind. So treibt Ivan auf ganz andere Art als er es beabsichtigt einen Resozialisierungsprozess an, der ohne äußeren Druck auskommt, sondern aus Adam selbst herorgeht. Auf der anderen Seite muss sich auch der Pfarrer der Welt stellen. So sehr er unweigerlich von seinem Menschenbild überzeugt ist, so schmerzhaft, aber auch überaus wichtig ist es für ihn, von Adam davon überzeugt zu werden, dass die Welt eben nicht ausschließlich gut ist.

Doch aus Ivans Verschließen vor der Realität resultiert letztlich sogar die meiste Komik. Der Widerspruch zwischen Ivans Wahrnehmung und dem tatsächlichen Verhalten seiner scheinbar geheilten Ex-Straftäter sorgt ein ums andere Mal für Lacher. Allerdings gelingt Jensen mit Adams Äpfel auch in den entscheidenden Szenen der an sich schwierige Spagat zwischen Witz und Ernst. Sein Film ist eine mit biblischen Verweisen gespickte Parabel über Gut und Böse, Versuchung und Erlösung, sowie ein Aufeinandertreffen von ungebrochenem Glauben und schonungsloser Realität in einem humoristischen, rabenschwarzen Gewand.

Walhalla Rising

Walhalla Rising FilmplakatNach dem knallharten Biopic Bronson (2008), über einen der gewalttätigsten Häftlinge Großbritanniens, kehrt der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn mit Walhalla Rising zu seinen nordischen Wurzeln zurück und schildert eine brutale, aber zugleich auch spirituelle Reise eines kompromisslosen, schweigsamen Mannes durch den rauen Norden des elften Jahrhunderts. Weiterlesen „Walhalla Rising“