Grand Budapest Hotel

Grand Budapest Hotel

Wenn ein großes Starensemble zusammenkommt, um als irrwitzige Figuren vor bunter Kulisse gefilmt zu werden, ist es mal wieder soweit: Wes Anderson dreht einen neuen Film! Mit illustren Darstellern wie unter anderem Ralph Fiennes, Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Saoirse Ronan, Edward Norton und Tilda Swinton verwirklichte er eine wundersame Kriminalkomödie über einen Mord im ruhmreichen Grand Budapest Hotel, in der fiktiven südosteuropäischen Alpenrepublik Zubrowka.

Wir schreiben das Jahr 1932. Flüchtlingsjunge Zéro (Tony Revolori) ist der neue Lobby Boy im Grand Budapest Hotel und als solcher dem exzentrischen Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), seines Zeichens galanter Charmeur älterer wohlhabender Damen, unterstellt. Eine von M. Gustaves liebsten Stammgästen, die 84-jährige Witwe Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton), verstirbt jedoch nur wenige Tage nachdem sie mit dem Concierge die Nacht verbracht und anschließend das Hotel verlassen hat, unter mysteriösen Umständen. Sie hat ihm das unbezahlbare Gemälde Junge mit Apfel des niederländischen Renaissancemalers Johannes von Hoytl vererbt, was den Zorn ihrer Familie, insbesondere den ihres Sohnes Dmitri (Adrien Brody) und seines mordlustigen Gefährten J. G. Jopling (Willem Dafoe) auf sich zieht. Währenddessen ermittelt die Polizei um Inspector Henckels (Edward Norton) den Todesfall, vermutet Mord und verdächtigt M. Gustave. Da bleibt einem treuen Lobby Boy wie Zéro nichts anderes übrig, als seinen Vorgesetzten und Mentor, dabei zu unterstützen, den Gefahren von allen Seiten aus dem Weg zu gehen und dieses unsägliche Missverständnis aufzuklären. Dass im Übrigen für die friedliche Republik Zubrowka in Bälde ein Krieg mit einem faschistischen Staat bevorsteht, gerät dabei beinahe zur Nebensache.

Fans des Regisseurs dürfen sich auf eine gewohnt verrückte Geschichte mit großem Cast und verrücktem Allerlei einstellen. Hört man den Namen Wes Anderson, assoziiert man damit sein Faible für farbenfrohe und enorm detailreiche Kulissen, symmetrische Kameraarbeit und bekloppt liebenswerte Charaktere. Ging es in seinem vorherigen Film Moonrise Kingdom noch um die junge Liebe zweier ausreißender Kinder, steht dieses Mal ein Kriminalfall im Mittelpunkt dessen Opfer der unschuldige M. Gustave werden könnte. So geht es letztlich darum, die Unschuld zu beweisen, das teure Gemälde in Sicherheit zu bringen, nicht von Dmitris Handlanger ermordet und nicht von der Polizei verhaftet zu werden. Ein scheinbar wirres Hin- und Her mit einem Concierge und seinem Lobby Boy, aus dessen Perspektive das Geschehen erzählt wird, in steter Bewegung. Der Film gewinnt dadurch eine erfrischende Dynamik, die bis zum Schluss zu unterhalten weiß.

Formal scheint alles wie gehabt zu sein: Zentrale Fluchtpunkte, typische 90°-Kameraschwenks und Charaktere, die sich dem Bild unterordnen – nie umgekehrt. Tatsächlich aber ist Grand Budapest Hotel stilistisch sogar noch weit strenger als bisher; eine Entwicklung, die sich bereits seit Der fantastische Mr. Fox abgezeichnet hatte, wenngleich dort auch aus technischen Gründen, aufgrund seiner Beschaffenheit als reiner Stop-Motion-Film. Fakt ist jedoch, dass Anderson sich immer weniger Ausbrüche aus seiner ästhetischen Gestaltung erlaubt. Solange dies im Zusammenspiel mit dem Inhalt noch so hervorragend funktioniert wie hier, braucht man nicht von einer selbstauferlegten Einengung zu sprechen, doch Abweichungen von dieser formalen Homogenität wären eine willkommene Abwechslung, bevor Andersons Stil zur langweiligen Gewohnheit wird.

Natürlich spielt auch immer die Erwartungshaltung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Weiß man diese einzigartige, bisweilen künstliche Anderson-Ästhetik sehr zu schätzen, dauert es möglicherweise noch eine ganze Weile, bis dessen Filme die ersten Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Andererseits werden die Menschen, denen die, zugegeben, sehr eigene Regie noch nie so recht gefallen hat, auch mit Grand Budapest Hotel wenig anfangen können, denn diese herrlich verrückte Komödie ist Wes Anderson durch und durch. Gut so!

Die Tiefseetaucher

Die Tiefseetaucher

Auf welche Weise ehrt man am besten einen großen Meeresforscher und Dokumentarfilmer wie Jacques-Yves Cousteau? Genau, man dreht einen Film über einen Meeresforscher und Dokumentarfilmer. Die Tiefseetaucher ist jener Film, den Wes Anderson als heitere, aber auch nachdenkliche Hommage an Cousteau konzipierte, inklusive roter Mütze als Markenzeichen.

Steve Zissou (Bill Murray) ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Er ist begeisterter Meeresforscher und hält sämtliche Erfahrungen und Erkenntnisse mit seiner Crew filmisch fest, um sie anschließend der Welt zu präsentieren. Als eines Tages bei einem Tauchgang sein Kollege und bester Freund Esteban (Seymour Cassel) von einem, wie Zissou sagt, Jaguar-Hai gefressen wird, kennt der Seemann nur noch eins: Rache.
Zusammen mit seiner illustren Mannschaft bricht er auf, um das Tier aufzuspüren, zu töten und dabei zu filmen. Mit an Bord sind unter anderem auch sein möglicher Sohn Ned (Owen Wilson), den Zissou fortan Kingsley nennt, und die schwangere Journalistin Jane (Cate Blanchett). Doch die Suche nach dem Hai wird alles andere als ein Spaziergang. Neben Problemen mit den Geldgebern, gibt es vor allem auch Ärger mit Piraten und der Küstenwache.

Die besondere Stärke sind aber zum einen all die kleinen Geschichten, die die Charaktere durchmachen, um zu begreifen, wer sie wirklich sind und was sie tatsächlich wollen. Vor allem Steve Zissou lernt, seine direkte und negative Art zu reflektieren. Auf der anderen Seite trägt speziell die einzigartige Atmosphäre zum Filmerlebnis bei. Da gibt es Zissous Schiff, dessen Räumlichkeiten ohne Schnitte wie eine Reise durch den Querschnitt des selben gefilmt werden; weiterhin sind die Unterwasseranimationen (von Henry Selick) einen besonderen Blick wert. Es wirkt alles ein wenig selbstgebastelt, aber doch durch und durch authentisch; gerade so, als hätte es einen Hauch von der Ästhetik eines Michel Gondry.
Die musikalische Untermalung gestaltet sich locker und durchaus gut gelaunt. Sie unterstreicht die Atmosphäre unter anderem mit in portugiesisch gesungenen und auf der Akustikgitarre gespielten David-Bowie-Songs.

Die Tiefseetaucher ist ein buntes Wes-Anderson-Drama mit zahlreichen amüsanten, wie auch bedrückenden Momenten, ein schönes kleines Abenteuer mit Exzentriker Zissou und seiner skurrilen Crew, die letztlich viel mehr eine große Familie ist. Und mit den Problemen von Familien beschäftigt sich Anderson in seinem Werk gerne und vor allem gekonnt. Hier präsentiert er uns aber in erster Linie eine unterhaltsame Seefahrt für Zuschauer jeden Alters, die als Film erstaunlich gut funktioniert.