Hail, Caesar!

Hail, Caesar! - Filmplakat22 Jahre und 17 Filme –  Die Karriere der Coen-Brüder ist inzwischen auf eine stattliche Größe angewachsen, die sie längst als nicht wegzudenkenden Teil Hollywoods etabliert. Um jene Traumfabrik geht es auch in ihrem neuesten Werk, Hail, Caesar!, das uns in die 50er Jahre zurückversetzt, eine Zeit, in der Schauspieler bei den Studios noch fest angestellt waren und sogenannte Fixer sich um all die kleinen und großen Probleme kümmern mussten, die im Filmgeschäft so anfielen. Und die Coens haben sich hierfür einige ganz besonders skurrile Probleme ausgedacht. Weiterlesen „Hail, Caesar!“

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Grand Budapest Hotel

Grand Budapest Hotel

Wenn ein großes Starensemble zusammenkommt, um als irrwitzige Figuren vor bunter Kulisse gefilmt zu werden, ist es mal wieder soweit: Wes Anderson dreht einen neuen Film! Mit illustren Darstellern wie unter anderem Ralph Fiennes, Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Saoirse Ronan, Edward Norton und Tilda Swinton verwirklichte er eine wundersame Kriminalkomödie über einen Mord im ruhmreichen Grand Budapest Hotel, in der fiktiven südosteuropäischen Alpenrepublik Zubrowka.

Wir schreiben das Jahr 1932. Flüchtlingsjunge Zéro (Tony Revolori) ist der neue Lobby Boy im Grand Budapest Hotel und als solcher dem exzentrischen Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), seines Zeichens galanter Charmeur älterer wohlhabender Damen, unterstellt. Eine von M. Gustaves liebsten Stammgästen, die 84-jährige Witwe Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton), verstirbt jedoch nur wenige Tage nachdem sie mit dem Concierge die Nacht verbracht und anschließend das Hotel verlassen hat, unter mysteriösen Umständen. Sie hat ihm das unbezahlbare Gemälde Junge mit Apfel des niederländischen Renaissancemalers Johannes von Hoytl vererbt, was den Zorn ihrer Familie, insbesondere den ihres Sohnes Dmitri (Adrien Brody) und seines mordlustigen Gefährten J. G. Jopling (Willem Dafoe) auf sich zieht. Währenddessen ermittelt die Polizei um Inspector Henckels (Edward Norton) den Todesfall, vermutet Mord und verdächtigt M. Gustave. Da bleibt einem treuen Lobby Boy wie Zéro nichts anderes übrig, als seinen Vorgesetzten und Mentor, dabei zu unterstützen, den Gefahren von allen Seiten aus dem Weg zu gehen und dieses unsägliche Missverständnis aufzuklären. Dass im Übrigen für die friedliche Republik Zubrowka in Bälde ein Krieg mit einem faschistischen Staat bevorsteht, gerät dabei beinahe zur Nebensache.

Fans des Regisseurs dürfen sich auf eine gewohnt verrückte Geschichte mit großem Cast und verrücktem Allerlei einstellen. Hört man den Namen Wes Anderson, assoziiert man damit sein Faible für farbenfrohe und enorm detailreiche Kulissen, symmetrische Kameraarbeit und bekloppt liebenswerte Charaktere. Ging es in seinem vorherigen Film Moonrise Kingdom noch um die junge Liebe zweier ausreißender Kinder, steht dieses Mal ein Kriminalfall im Mittelpunkt dessen Opfer der unschuldige M. Gustave werden könnte. So geht es letztlich darum, die Unschuld zu beweisen, das teure Gemälde in Sicherheit zu bringen, nicht von Dmitris Handlanger ermordet und nicht von der Polizei verhaftet zu werden. Ein scheinbar wirres Hin- und Her mit einem Concierge und seinem Lobby Boy, aus dessen Perspektive das Geschehen erzählt wird, in steter Bewegung. Der Film gewinnt dadurch eine erfrischende Dynamik, die bis zum Schluss zu unterhalten weiß.

Formal scheint alles wie gehabt zu sein: Zentrale Fluchtpunkte, typische 90°-Kameraschwenks und Charaktere, die sich dem Bild unterordnen – nie umgekehrt. Tatsächlich aber ist Grand Budapest Hotel stilistisch sogar noch weit strenger als bisher; eine Entwicklung, die sich bereits seit Der fantastische Mr. Fox abgezeichnet hatte, wenngleich dort auch aus technischen Gründen, aufgrund seiner Beschaffenheit als reiner Stop-Motion-Film. Fakt ist jedoch, dass Anderson sich immer weniger Ausbrüche aus seiner ästhetischen Gestaltung erlaubt. Solange dies im Zusammenspiel mit dem Inhalt noch so hervorragend funktioniert wie hier, braucht man nicht von einer selbstauferlegten Einengung zu sprechen, doch Abweichungen von dieser formalen Homogenität wären eine willkommene Abwechslung, bevor Andersons Stil zur langweiligen Gewohnheit wird.

Natürlich spielt auch immer die Erwartungshaltung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Weiß man diese einzigartige, bisweilen künstliche Anderson-Ästhetik sehr zu schätzen, dauert es möglicherweise noch eine ganze Weile, bis dessen Filme die ersten Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Andererseits werden die Menschen, denen die, zugegeben, sehr eigene Regie noch nie so recht gefallen hat, auch mit Grand Budapest Hotel wenig anfangen können, denn diese herrlich verrückte Komödie ist Wes Anderson durch und durch. Gut so!

Brügge sehen… und sterben?

Brügge sehen und sterben

2008 feierte das Spielfilmdebüt des irischen Regisseurs Martin McDonagh seine Weltpremiere auf dem Sundance Festival und brachte ihm in der Folge verdientermaßen eine Oscarnominierung für das beste Originaldrehbuch ein. In Bruges, der in Deutschland unter dem kreativeren Titel Brügge sehen… und sterben? erhältlich ist, wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen positiv aufgenommen. McDonagh, der ursprünglich aus dem Theaterbereich kommt, hatte schon zuvor mit seinem Kurzfilm Six Shooter (2004) einen Academy Award gewonnen und damit eindrucksvoll bewiesen, dass er sein Handwerk nicht nur auf der Bühne beherrscht.

Brügge sehen… und sterben? beginnt, wie der Filmtitel bereits andeutet, in Brügge, dem mittelalterlichen Herzen Belgiens. Die irischen Auftragskiller Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) wurden von ihrem leicht reizbaren Boss Harry (Ralph Fiennes) nach Brügge geschickt, um nach einem vergeigten Job unterzutauchen. Während der Ken voller Interesse die zahlreichen Kirchen besichtigt, ist Ray von diesem Zwangsaufenthalt alles andere als angetan; bei seinem letzten Kirchenbesuch in London erschoss einen Pfarrer, wie es ihm aufgetragen war. Leider traf er dabei auch einen unschuldigen Jungen ungewollt tödlich und präzise in den Kopf.
Nachdem Ken telefonisch neue Anweisungen von Harry erhalten hat, beginnt die Lage, sich in eine unangenehme Richtung zu entwickeln. Ken wird nämlich aufgetragen, Ray für sein Versagen zu erledigen, weiß aber nicht, ob er dies in der aktuellen Situation übers Herz bringen kann. Ray hingegen hat sich in der Zwischenzeit aufgrund von Schuldgefühlen, die ihn innerlich zerfressen, seine ganz eigenen Gedanken gemacht und kommt zu dem Schluss, dass er sein Leben baldmöglichst selbst beenden möchte. Als schließlich Harry gezwungen ist, ebenfalls nach Brügge zu reisen und die Dinge eigenhändig in Ordnung zu bringen, gipfelt der Film in einem packenden Finale, in dem Pistolenkugeln und moralische Prinzipien an den mittelalterlichen Kanälen aufeinander treffen.

Eine der großen Stärken des Films sind die Charaktere, insbesondere das Duo Ray und Ken, die von Colin Farrell und Brendan Gleeson mehr als nur überzeugend dargestellt werden. Ray gibt nach außen den ewig nörgelnden, gelangweilten jungen Iren, dem das beschauliche Brügge am Allerwertesten vorbeigeht. Stattdessen gewinnt seine Nervosität die Oberhand. Ray lenkt sich schon bald mit der hübschen Belgierin Chloe (Clémence Poésy) ab und entwickelt überdies eine ungewöhnliche Obsession für das Gesprächsthema Gnome. Nach einem gewaltsamen Streit im Restaurant mit anderen Gästen, sowie einer Auseinandersetzung mit Chloes Ex-Freund, dem dabei Platzpatronen ins Auge geraten, hat Ray schließlich das Ziel vom unauffälligen Untertauchen endgültig verfehlt.
Den äußerst gelassenen Gegenpol zu Ray bildet natürlich Ken, der eine ungeheure Ruhe und Kompetenz ausstrahlt. Seinen Mitmenschen gegenüber zeigt er sich derart höflich und verständnisvoll, dass niemand auch nur auf die Idee kommen könnte, dass dieser Mann sein Geld mit dem Töten von Menschen verdient. Konnte er jedoch bisher stets das Berufliche vom Privaten trennen, scheint das hier und jetzt in Brügge nicht mehr zu funktionieren, seitdem ihm Harry aufgetragen hat, Ray zu beseitigen. Jemanden, mit dem man einige gemeinsame Tage verbracht hat, erledigt man nunmal nicht einfach so wie ein anonymes Opfer.

Aus diesen so unterschiedlichen Charakteren resultiert ein weiteres Qualitätsmerkmal von Brügge sehen… und sterben?, nämlich der gelungene Spagat zwischen tragisch-ernsten Szenen und schwarzhumorigen Momenten. McDonaghs starkes Drehbuch legt den Grundstein und die herausragende Darstellerleistung tut ihr Übriges. Weder die amüsanten Dialoge, noch die ernsteren, bis hin zu brutalen Szenen wirken deplatziert. Auf experimentelle Spielchen mit der Kameraführung – zu denen so manche Regisseure bei ihrem Debütfilm neigen – verzichtet McDonagh glücklicherweise. Farbpalette und Beleuchtung wirken natürlich; die Musik drängt sich nie negativ auf. Dadurch wirkt Brügge sehen… und sterben? wie aus einem Guss, ist mit einer durchdachten Handlung und glaubwürdigen Charakteren bestückt und erweist sich als starke Mischung aus Drama und Komödie.

Tödliches Kommando

Tödliches Kommando

2009 war er der Oscar-Abräumer des Jahres: Kathryn Bigelows Film Tödliches Kommando. Das Kriegsdrama gewann nach 11 Nominierungen ganze 6 Academy Awards, unter anderem für den besten Film, die beste Regie und das beste Originaldrehbuch. Nachdem die Academy sich oftmals und vor allem in den 90er Jahren nur fröhlich selbst zelebrierte ohne sich groß um die filmische Qualität ihrer Gewinner zu scheren, zeigt der Trend in den letzten Jahren zum Glück wieder in positive Richtungen. Auch Tödliches Kommando gehört zu den guten Filmen, deren Auszeichnung nicht unverdient ist.

Es ist das Jahr 2004, die Nachkriegszeit des dritten Golfkrieges im Irak. Sergeant JT Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Owen Eldridge (Brian Geraghty) arbeiten unter der Führung von Staff Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce) beim EOD (Explosive Ordnance Disposal, „Kampfmittelbeseitigungsdienst“) der US Army als Bombenentschärfungskommando. Als jedoch Thompson während einer Entschärfungsmission durch eine Explosion stirbt, muss die Rolle des Teamleaders ersetzt werden. Die Army sieht dafür Sergeant First Class William James (Jeremy Renner) vor, einen Draufgänger, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger viel weniger auf seine Sicherheit und die seines Teams bedacht ist, sondern stattdessen immer wieder den Einsatz und damit das Leben seiner Männer gefährdet. So geht es von Mission zu Mission durch den Alltag eines EOD-Teams, bei dem Sergeant James nach und nach erkennt, was sein Dasein tatsächlich erfüllt.

Bigelows Film nimmt sich für einige Szenen enorm viel Zeit. So sind die Entschärfungen beispielsweise oft ein mitreißendes Warten und Bangen, während sich die Spannung immer weiter steigert. Auf der anderen Seite gibt’s ein Scharfschützenduell in der Wüste, das eine gefühlte Ewigkeit zu dauern scheint und gegen Ende eher an Spannung einbüßt. Nichtsdestotrotz sind es gerade diese Szenen, die so viel interessanter Erscheinen als die hundertsten Schusswechsel in unendlich vielen anderen Filmen mit Kriegsszenario. Bereits Jarhead (Sam Mendes, 2005) zeigte, dass man Kriegsthematik intensiv und vielschichtig darstellen kann, ohne mit Non-Stop-Action auf den Zuschauer einzuhämmern. Im Gegensatz dazu ist Tödliches Kommando zwar weit weniger humorvoll, aber dafür umso spannungsgeladener. An der Plotgestaltung mag man vielleicht die episodische Geradlinigkeit kritisieren, da Sergeant James und sein Team eigentlich nur von einer Mission zur nächsten fahren, um sich mit den entsprechenden Problemen auseinanderzusetzen, und diese Struktur nur selten wie beispielsweise durch einen Hinterhalt in der Wüste oder einen nächtlichen Einbruch durchbrochen wird; dagegen halten muss man aber, dass sich klassische Spannungsbögen und Hollywoodplots im tatsächlichen Kriegsgeschehen erst recht nicht finden lassen und Bigelows Film somit in Wirklichkeit ein relativ authentisches Bild wiedergibt. Schade ist allerdings, dass an dieser Authentizität die letztlich doch zu positive Darstellung der US-Truppen und eine damit einhergehende Verharmlosung des Soldatentums zu einer unreflektierten Reihe von Heldentaten kratzt.

Die Grausamkeit des Krieges in der erdrückenden Hitze des nahen Ostens zeigt sich zwar in jeder Szene, ist aber eigentlich nicht der Kern von Tödliches Kommando. Es scheint viel mehr darum zu gehen, wie der Krieg einen Menschen verändert, wie er die einen in Abgründe stürzt und wie er andere – hier Sergeant James – ihre Erfahrungen an Normalität gewinnen lässt, während sie sich anschließend in ihrem ursprünglichen, geregelten Umfeld wie ein Fremdkörper fühlen. Diese Entwicklung muss graduell geschehen, wenngleich man Bigelow vorhalten muss, diese Veränderung zu abrupt dargestellt zu haben. Einigen solcher kleinen Mängel zum Trotz, ist Tödliches Kommando ein packendes Kriegsdrama, das sich erfreulich von den immer wieder aufgekochten Genrevertretern abhebt.