Hail, Caesar!

Hail, Caesar! - Filmplakat22 Jahre und 17 Filme –  Die Karriere der Coen-Brüder ist inzwischen auf eine stattliche Größe angewachsen, die sie längst als nicht wegzudenkenden Teil Hollywoods etabliert. Um jene Traumfabrik geht es auch in ihrem neuesten Werk, Hail, Caesar!, das uns in die 50er Jahre zurückversetzt, eine Zeit, in der Schauspieler bei den Studios noch fest angestellt waren und sogenannte Fixer sich um all die kleinen und großen Probleme kümmern mussten, die im Filmgeschäft so anfielen. Und die Coens haben sich hierfür einige ganz besonders skurrile Probleme ausgedacht. Weiterlesen „Hail, Caesar!“

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Snowpiercer

Snowpiercer

Wenn Produzent Harvey Weinstein einen Film für den US-Markt um satte 25 Minuten kürzen möchte, weil er das amerikanische Publikum nach eigenen Angaben für zu dumm hält und um die Einträglichkeit dieses Films fürchtet, lässt das Filmfans aus gutem Grund aufhorchen. Bei dem fraglichen Film handelt es sich um Snowpiercer, das neue Werk des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho. Dieser war mit dem geplanten Eingriff allerdings ganz und gar nicht einverstanden. Das Resultat: Anstelle eines flächendeckenden Kinostarts läuft sein Film in den USA nur in wenigen, ausgewählten Lichtspielhäusern, dafür jedoch – und das ist das Gute – unangetastet in seiner vollen Länge statt zur Blockbustertauglichkeit verstümmelt worden zu sein.

Im Jahr 2031 ist gesamte Welt von einer dicken Eisschicht überzogen, das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Versuchs, die globale Erwärmung zu stoppen. Die wenigen Überlebenden fahren seit nunmehr 17 Jahren mit dem Snowpiercer, einem kolossalen Zug um den Planeten und haben einen festen Platz im mikrokosmischen Kastensystem eingenommen, das diese isolierte Gesellschaft kennzeichnet. Curtis (Chris Evans) plant jedoch eine Revolution, um die Verhältnisse ein für allemal umzustürzen, denn während die Menschen im slumähnlichen Zugabschnitt der hinteren Waggons hungernd und zusammengepfercht ihr Dasein fristen, lebt die Oberschicht um den gottgleichen Erbauer des Zuges, Wilford (Ed Harris), im sorgenfreien Genuss.

Bong erzählt eine Geschichte über die Privatisierung der Gesellschaft, über Technizismus, den Ausbruch aus Strukturen und moralische Verantwortung. Dass sein dystopisches Szenario in einem begrenzten und geschlossenen Raum stattfindet, ist wohl eine der größten Stärken von Snowpiercer. Das simple Grundprinzip des Aufstands gegen die Obrigkeit und des in diesem Fall damit verbundenen Fortschreitens im Zug, Waggon für Waggon nach vorn, ermöglicht – komprimiert und fokussiert – einen detaillierten Blick auf ein Gesellschaftsbild, der ansonsten im zeitgenössischen Science-Fiction-Kino leider viel zu selten gewährt wird. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sich der Film trotz seiner spannungsgeladenen Actionsequenzen immer wieder Zeit für seine Figuren nimmt. Weinstein wollte aus Snowpiercer ein geradliniges Spektakel ohne Verschnaufpausen schneiden, doch Bongs Intention, das Erzähltempo an entscheidenden Stellen zu drosseln, kommt der Charakterentwicklung und somit der emotionalen Kraft seiner Handlung natürlich zugute. So entstand folgerichtig eine gewagte Genrekombination, die gekonnt zwischen brachialer Gewalt, menschlichem Drama und bissiger Satire wechselt. Ein ähnlicher Spagat gelang ihm bereits mit dem etwas anderen Monsterfilm The Host (2006).

Schön ist auch, um nun auf die Ästhetik des Films zu sprechen zu kommen, dass die düstere Zukunftsvision weit davon entfernt ist, sich farblos zu präsentieren. Ist das Geschehen in den dreckigen hinteren Waggons noch in eine grau-braune Palette getaucht, eröffnen sich Curtis und seiner Widerstandstruppe bald Abschnitte, die nicht nur bei ihm Staunen auslösen. Der Snowpiercer beherbergt Gärten, Aquarien, Schwimmbäder, Saunen, Discotheken und sogar knallbunte Schulklassenzimmer. Der Abwechslungsreichtum des Setdesigns passt ausgezeichnet zum System, dem, was es propagiert und seinen mitunter skurrilen Verfechtern. Überspitzt und doch klasse auf den Punkt gebracht.
Was die Action anbelangt, sobald die Aufständigen auf Wilfords Schergen treffen: Das ist souverän in Szene gesetzt und gewinnt aufgrund der räumlichen Enge eine unglaubliche Intensität. Zu bemängeln ist sicherlich der CGI-Einsatz, der sich hauptsächlich auf die Außenaufnahmen des Zuges und der ihn umgebenden Eiswüste beschränkt. Aufgrund eines im Vergleich mit Hollywoodproduktionen nur mittleren Budgets, muss man dort kleine, aber nicht ernsthaft störende Abstriche in Kauf nehmen.

Irgendwo zwischen Sci-Fi-Action, Gesellschaftskritik und tragischem Drama schüttelt Bong Joon-ho mal eben seinen ersten englischsprachigen Film und für umgerechnet 40 Millionen Dollar die zugleich teuerste koreanische Produktion aller Zeiten aus dem Ärmel. Snowpiercer ist eine irre Fahrt durch eine post-apokalyptische Welt mit Ecken, Kanten und reizvollen Ideen. Bitte einsteigen!

Grand Budapest Hotel

Grand Budapest Hotel

Wenn ein großes Starensemble zusammenkommt, um als irrwitzige Figuren vor bunter Kulisse gefilmt zu werden, ist es mal wieder soweit: Wes Anderson dreht einen neuen Film! Mit illustren Darstellern wie unter anderem Ralph Fiennes, Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Saoirse Ronan, Edward Norton und Tilda Swinton verwirklichte er eine wundersame Kriminalkomödie über einen Mord im ruhmreichen Grand Budapest Hotel, in der fiktiven südosteuropäischen Alpenrepublik Zubrowka.

Wir schreiben das Jahr 1932. Flüchtlingsjunge Zéro (Tony Revolori) ist der neue Lobby Boy im Grand Budapest Hotel und als solcher dem exzentrischen Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), seines Zeichens galanter Charmeur älterer wohlhabender Damen, unterstellt. Eine von M. Gustaves liebsten Stammgästen, die 84-jährige Witwe Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton), verstirbt jedoch nur wenige Tage nachdem sie mit dem Concierge die Nacht verbracht und anschließend das Hotel verlassen hat, unter mysteriösen Umständen. Sie hat ihm das unbezahlbare Gemälde Junge mit Apfel des niederländischen Renaissancemalers Johannes von Hoytl vererbt, was den Zorn ihrer Familie, insbesondere den ihres Sohnes Dmitri (Adrien Brody) und seines mordlustigen Gefährten J. G. Jopling (Willem Dafoe) auf sich zieht. Währenddessen ermittelt die Polizei um Inspector Henckels (Edward Norton) den Todesfall, vermutet Mord und verdächtigt M. Gustave. Da bleibt einem treuen Lobby Boy wie Zéro nichts anderes übrig, als seinen Vorgesetzten und Mentor, dabei zu unterstützen, den Gefahren von allen Seiten aus dem Weg zu gehen und dieses unsägliche Missverständnis aufzuklären. Dass im Übrigen für die friedliche Republik Zubrowka in Bälde ein Krieg mit einem faschistischen Staat bevorsteht, gerät dabei beinahe zur Nebensache.

Fans des Regisseurs dürfen sich auf eine gewohnt verrückte Geschichte mit großem Cast und verrücktem Allerlei einstellen. Hört man den Namen Wes Anderson, assoziiert man damit sein Faible für farbenfrohe und enorm detailreiche Kulissen, symmetrische Kameraarbeit und bekloppt liebenswerte Charaktere. Ging es in seinem vorherigen Film Moonrise Kingdom noch um die junge Liebe zweier ausreißender Kinder, steht dieses Mal ein Kriminalfall im Mittelpunkt dessen Opfer der unschuldige M. Gustave werden könnte. So geht es letztlich darum, die Unschuld zu beweisen, das teure Gemälde in Sicherheit zu bringen, nicht von Dmitris Handlanger ermordet und nicht von der Polizei verhaftet zu werden. Ein scheinbar wirres Hin- und Her mit einem Concierge und seinem Lobby Boy, aus dessen Perspektive das Geschehen erzählt wird, in steter Bewegung. Der Film gewinnt dadurch eine erfrischende Dynamik, die bis zum Schluss zu unterhalten weiß.

Formal scheint alles wie gehabt zu sein: Zentrale Fluchtpunkte, typische 90°-Kameraschwenks und Charaktere, die sich dem Bild unterordnen – nie umgekehrt. Tatsächlich aber ist Grand Budapest Hotel stilistisch sogar noch weit strenger als bisher; eine Entwicklung, die sich bereits seit Der fantastische Mr. Fox abgezeichnet hatte, wenngleich dort auch aus technischen Gründen, aufgrund seiner Beschaffenheit als reiner Stop-Motion-Film. Fakt ist jedoch, dass Anderson sich immer weniger Ausbrüche aus seiner ästhetischen Gestaltung erlaubt. Solange dies im Zusammenspiel mit dem Inhalt noch so hervorragend funktioniert wie hier, braucht man nicht von einer selbstauferlegten Einengung zu sprechen, doch Abweichungen von dieser formalen Homogenität wären eine willkommene Abwechslung, bevor Andersons Stil zur langweiligen Gewohnheit wird.

Natürlich spielt auch immer die Erwartungshaltung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Weiß man diese einzigartige, bisweilen künstliche Anderson-Ästhetik sehr zu schätzen, dauert es möglicherweise noch eine ganze Weile, bis dessen Filme die ersten Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Andererseits werden die Menschen, denen die, zugegeben, sehr eigene Regie noch nie so recht gefallen hat, auch mit Grand Budapest Hotel wenig anfangen können, denn diese herrlich verrückte Komödie ist Wes Anderson durch und durch. Gut so!

Moonrise Kingdom

Moonrise Kingdom

Das Filmfestival von Cannes hat traditionell eher den Fokus auf bedeutsame, ernste Filme gerichtet. Umso erfrischender also, dass es 2012 mit einer gewissen Leichtigkeit eröffnet wurde, als Wes Anderson seine neue Komödie Moonrise Kingdom präsentierte.

Wir schreiben das Jahr 1965. Ort der Handlung: Eine kleine Insel ohne befestigte Straßen vor der Küste von New England. Der zwölfjährige Sam (Jared Gilman) ist Pfadfinder bei den Khaki Scouts, die gleichaltrige Suzy (Kara Hayward) die introvertierte Tochter eines neurotischen Anwaltspaars (Frances McDormand & Bill Murray). Die Kinder verlieben sich ineinander und beschließen, der Welt den Rücken zu kehren und in die Wildnis zu fliehen. Selbstverständlich sind die Erwachsenen ganz und gar nicht damit einverstanden. Scout Master Randy Ward (Edward Norton) organisiert seine Pfadfinder umgehend zu einem Suchtrupp, Suzys besorgte Eltern setzen ihre Hoffnung in den Polizisten der Insel, Captain Sharp (Bruce Willis). Es dauert nicht lange, bis die Suche nach den beiden Ausreißern eine immer größere Personenzahl involviert und als zu allem Überfluss auch noch ein gewaltiger Sturm die Inselregion heimsucht, droht der jungen Liebe ein jähes Ende.

Auf den ersten Blick bleibt der Regisseur seinem Stil treu: Moonrise Kingdom ist ein waschechter Wes Anderson mit dysfunktionalen Familien und jeder Menge bunter Details, die seine typische Ästhetik prägen. Alles wie gehabt? Nicht ganz, denn zum einen verbergen sich unter der Oberfläche des Films ganz persönliche Erfahrungen und Erinnerungen aus Andersons Kindheit im Pfadfinderlager, die ihn zu dieser Geschichte inspirierten. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Werk ist dieses Mal also deutlich intimer als bei seinen vorherigen Filmen und verleiht ihm eine autobiografische Note.
Im Widerspruch dazu – und das ist die auffallendste Schwäche des Films – steht seltsamerweise die ungewöhnliche Distanz, die der Zuschauer zu den Figuren hat. Ganz anders als beispielsweise in Die Royal Tenenbaums (2001), Die Tiefseetaucher (2004) und Darjeeling Limited (2007) bleiben die Charaktere in Moonrise Kingdom blasser als gewohnt. Anderson kratzt hier nur an der Oberfläche und erreicht zu keinem Zeitpunkt die emotionale Tiefe, die seine Filme sonst so auszeichnet. Insbesondere gegen Ende zeigt sich auch die Dramaturgie als nicht ganz so ausgeklügelt, wenn sich die Ereignisse ein wenig überschlagen und die Geschichte zu einem gehetzten Ende gebracht wird, mit dem es sich Anderson ein wenig zu einfach macht.

Trotzdem bietet Moonrise Kingdom starke Unterhaltung und wird für Freunde skurriler Komödien sicher nicht langweilig. Es handelt sich zwar nicht um Wes Andersons besten Film, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Visuell zeigt sich der Regisseur mal wieder in Hochform. Verblichene Gelbtöne dominieren die Farbpalette ohne ins allzu Künstliche eines Jean-Pierre Jeunet abzudriften. Kostüm- und Setdesign sind herausragend stilvoll und zeigen einmal mehr, wie es Anderson gelingt, ein dichtes, ästhetisches Universum zu errichten, das all seine Filme verbindet. Das aufgebotene Darstellerensemble spielt seine Rollen überzeugend, sowohl die etablierten Stars um Murray, Willis und Norton, als auch die beiden Jungschauspieler Kara Hayward und Jared Gilman. Der Soundtrack reicht von opulenten Orchesterstücken bis hin zu französischen Chansons und untermalt die Bilder perfekt.
An manchen Stellen fragt man sich zwar, ob Moonrise Kingdom nicht ein wenig mehr Substanz hätte vertragen können, in Anbetracht der so liebevoll erzählten Geschichte möchte man Anderson diesen Makel aber gern verzeihen und den Film genießen.

The Limits of Control

The Limits of Control

Jim Jarmusch war ja irgendwie schon immer ein verschrobener Regisseur, der von seinen Zuschauern nicht wenig abverlangte. Ein gemächliches Erzähltempo und überlange Einstellungen prägten seine nachdenklichen Werke durchgehend. Mit The Limits of Control ist ihm nun aber ein Film gelungen, der all das in Sachen trockener Sperrigkeit noch übertrifft, ein radikales Etwas, bei dem sich Jarmusch nicht das Geringste um den Komfort des Zuschauers scherrt und damit sämtliche Meinungen spaltet.

Ein Flughafen. Der geheimnisvolle Farbige (Isaach de Bankolé) erhält einen noch geheimnisvolleren Auftrag, der ihn ins heiße Spanien führt. Dort angekommen, soll er sich mit verschiedenen Mittelsmännern treffen, um weitere Instruktionen zu erhalten. Sein erster Hinweis ist beispielsweise die Anweisung, Ausschau nach einer Violine zu halten. An den unterschiedlichsten Orten trifft der Protagonist dadurch nacheinander undurchschaubare Charaktere wie die Blondine (Tilda Swinton), die Nackte (Paz de la Huerta), den Amerikaner (Bill Murray) und einige weitere. Diese Personen monologisieren über die verschiedensten Dinge von Physik über Kunst bis hin zu Sex und übergeben dem schweigsamen Protagonisten anschließend eine Streichholzschachtel mit einem Zettel, bevor ihn sein Weg weiter zum nächsten seltsamen Menschen führt. Zwischen diesen Szenen, die nicht einmal als Plot Points fungieren, da sie die ohnehin spärrliche Narration nur immer weiter in die selbe, mysteriöse Richtung führen, beobachtet der Zuschauer den Protagonisten bei sich immer wiederholenden Bestandteilen seines Tagesablaufs, der unter anderem aus immer wiederkehrenden Sequenzen von Meditationen, Spaziergängen und Kleidungswechseln besteht. Die Handlung bewegt sich also von Monolog zu Monolog und von Ort zu Ort, bis sie schließlich am Ende zwar eine Art Abschluss findet, zugleich aber nur noch weitere Fragen aufwirft.

Die ästhetische Ebene des Films ist allerdings über jeden Zweifel erhaben. Ob nun die kleinen Cafés und schmalen Gassen Sevillas oder die weiten spanischen Steppenlandschaften, Jarmusch beweist ein Auge für schöne Bilder. Zusammen mit dem treibenden Soundtrack, für den unter anderem Boris und Sunn O))) verantwortlich waren, erzeugt das eine rauhe, trockene, aber auch mystische Stimmung. Auf der inhaltlichen Seite kann man sich über die Qualität von The Limits of Control sicher streiten. Die Monotonie, die häufigen Monologe, der mysteriöse Protagonist, der sich nur äußerst selten zu einem Wort hinreißen lässt – all diese Elemente versprechen nicht unbedingt massenkompatible Unterhaltung.

Für die einen ist der Film daher sicherlich nur eine langweilige, prätentiöse Stilübung Jarmuschs, aber für andere kann der Film zu einer interessanten Reise werden, zu einem merkwürdigen, philosophischen Thriller, der eigentlich gar keiner ist. Jim Jarmuschs The Limits of Control ist ein spröder Brocken, der voller Schönheit stecken kann. Die Frage ist nur, ob man sich darauf einlassen möchte oder sich dem lieber verschließt.