The Man From Nowhere

The Man from Nowhere - FilmplakatKoreas Liebe für packende Thriller ist ungebrochen. So ließ Lee Jeong-beom 2010 mit seinem zweiten Spielfilm, The Man From Nowhere, die nationale Konkurrenz hinter sich. Der erfolgreichste koreanische Film des Jahres begeisterte das Publikum mit satter Action, einer emotionalen Geschichte und dem aufstrebenden Star Won Bin – zuvor unter anderem in Mother (Bong Joon-ho, 2009) zu sehen –  in der Hauptrolle. Weiterlesen „The Man From Nowhere“

Mother

Mother

Diese Woche wurde der erste Trailer des neuen Films von Bong Joon-ho veröffentlicht. Snowpiercer nennt sich die dystopische Comicverfilmung und scheint einiges an packender Sci-Fi-Action zu versprechen. Grund genug, einen Blick zurück auf den nunmehr vier Jahre alten Thriller Mother zu werfen. Die Erwartungen von Kritikern und Publikum waren im Vorfeld hoch, schließlich hatte der Regisseur mit The Host (2006) in Südkorea sämtliche Kassenrekorde gebrochen.

Mother handelt, wie der Titel bereits vermuten lässt, von einer Mutter (Kim Hye-ja); sie ist alleinerziehend und verdient sich ihr Geld mit dem Verkauf von Heilkräutern und Akkupunkturbehandlungen ohne gültige Lizenz. Ihr geistig zurückgebliebener Sohn Do-jun (Won Bin) lungert tagein, tagaus mit Jin-tae (Jin Goo) herum, einem moralisch fragwürdigen Störenfried, der seinen Mitmenschen nur Ärger bereitet.
Als auf einem Dach die Leiche eines Mädchens gefunden wird, klammert sich die Polizei verzweifelt an die wenigen Indizien, die sie hat. Do-jun wurde abends in der Nähe des Tatorts gesehen und findet sich prompt in einem Verhör wieder. Die zweifelhaften Methoden der Polizisten drängen den verstörten jungen Mann zu einem Geständnis und geben sich nicht weiter mit ordnungsgemäßen Ermittlungen ab. Seine entsetzte Mutter hingegen ist fest davon überzeugt, dass ihr Sohn zu einer grauenhaften Tat wie Mord überhaupt nicht fähig ist. Die einzige Möglichkeit, Do-jun vor der Einlieferung in eine Heilanstalt für Geisteskranke zu bewahren, sieht sie darin, eigene Nachforschungen anzustellen, um den wahren Mörder zu fassen und die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen.

Hierbei wird sie zu einer Frau, die über sich hinauswächst, doch zugleich kommt sie nicht umhin, selbst einiges an Schuld auf sich zu nehmen. Die Mittel sind nicht immer sauber. Je weiter sie in ihren Ermittlungen vorstößt, desto gefährlicher wird es. Bong porträtiert seine Protagonistin als starke Frauenrolle, die uns vor Augen führt, wie weit eine Mutter bereit ist zu gehen, um ihren geliebten Sohn vor Unrecht zu bewahren. Ohne das beeindruckende Schauspiel von Kim Hye-ja hätte dies gewiss nicht derart gut funktioniert. Die Mischung aus Sorge, Unsicherheit und Zielstrebigkeit nimmt man ihr in jeder Szene ab.

Im Gegensatz zum rasanten Monsterspektakel seines vorherigen Films, hat Bong das Handlungstempo in Mother adäquat gedrosselt, jedoch glücklicherweise ohne dabei Längen aufkommen zu lassen. Der Thriller schöpft seine Spannung zum einen aus der kriminalistischen Erzählstruktur, zum anderen aus den inneren Konflikten, die mit der Figurenentwicklung der Mutter einhergehen. So nutzt Bong einmal mehr ein klassisches Genregerüst als strukturgebendes Element, das gekonnt mit einer gehörigen Portion Charakterdrama angereichert wird. Was geschieht, wenn Beschützerinstinkt zu einer destruktiven Kraft wird, deren Ausmaße eine Mutter vor sich selbst erschrecken lässt? Mother hat die Antwort.