Sleep Tight

Sleep Tight

Gut fünf Jahre ist es her, dass sich Jaume Balagueró mit dem Horrorfilm [Rec], den er gemeinsam mit Paco Plaza gedreht hatte, einen Namen gemacht hatte. Inzwischen gibt es ein Hollywoodremake namens Quarantäne (John Eric Dowdle, 2008), sowie zwei Sequels des Originals. Während er jedoch seinem Kollegen Plaza den alleinigen Dreh von [REC]³ Genesis (2012) überließ, fabrizierte Balagueró einen kleinen, gemeinen Psychothriller mit einem stark aufspielenden Luis Tosar: Sleep Tight.

Man stelle sich vor, Tag für Tag den freundlichen, stets hilfsbereiten Hausmeister mit einem Lächeln zu grüßen, ohne zu ahnen, welch niederträchtige Kreatur hinter der Fassade steckt. Nach außen hin lässt sich César (Luis Tosar) schließlich nichts anmerken, doch in Wahrheit fühlt er sich vom Glück seiner Mitmenschen angewidert. Insbesondere auf die attraktive Mieterin Clara (Marta Etura) hat er es abgesehen. Tagsüber terrorisiert er sie mit unzähligen anonymen Briefen und SMS, aber nachts beginnt der wirkliche Alptraum; César kann sich als Hausmeister nämlich Zugang zu sämtlichen Wohnungen verschaffen. Kein Problem also, unter Claras Bett zu lauern, sie heimlich mit Chloroform zu betäuben und anschließend ihre Hautcreme mit Bakterien zu präparieren oder Kakerlaken in den Zimmern zu verteilen. Als ihn jedoch das neugierige Nachbarsmädchen Ursula (Iris Almeida) eines nachts aus Claras Wohnung kommen sieht, beginnt sie, ihn zu erpressen. Doch für César ist die Sache eindeutig: Es wird Zeit, Clara eine bisher ungeahnte Grausamkeit erleben zu lassen und das Mädchen von nebenan zum Schweigen zu bringen.

Der Plot von Sleep Tight hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und setzt auf durchgehende Spannung. Das wirklich Gerissene ist allerdings Regisseur Balaguerós simpler, aber effektiver Trick, den Zuschauer die gesamte Filmhandlung aus der Sicht von César erleben zu lassen. Der unscheinbare Hausmeister ist ein abscheulicher Psychopath, aber zugleich auch die Figur mit der meisten Tiefe und einer allgegenwärtigen Präsenz. In jeder Szene schauen wir César praktisch über die Schulter. Wenn er sich versteckt, hoffen wir insgeheim, dass er nicht entdeckt wird und wenn sich die Lage zuspitzt, will man doch irgendwie sehen, wie er der prekären Situation entkommen kann. Es ist nicht leicht, Balaguerós Falle zu entgehen. Plötzlich empfinden wir Empathie für einen Protagonisten, der die ganze Zeit damit beschäftigt ist, seinem Umfeld Schaden zuzufügen und gleichzeitig seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Nicht zuletzt ist es auch Luis Tosar zu verdanken, der seine Rolle als César glaubwürdig und nachvollziehbar spielt. Immer wieder zieht er uns in seine Nähe, bis wir ihm hoffnungslos ausgeliefert sind. Das ist letzten Endes ziemlich unangenehm; genau wie der Regisseur es geplant hat. Gerade dadurch wird dieser Psychothriller auch für den Zuschauer zum ganz persönlichen, kleinen Alptraum.

Spanien produziert in den letzten Jahren so einige Perlen aus dem Bereich Horror und genrenahen Thrillern. Sleep Tight ist ein ganz starker Vertreter, ein hinterlistiger Film, dessen psychologischer Horror von besonders bösartiger Natur ist und länger nachwirkt, als einem lieb ist.

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3 Gedanken zu “Sleep Tight

  1. Ah! – Endlich kann ich kommentieren (WordPress macht es dem Google-User wirklich nicht leicht): Ich hoffe doch, dass der neue Film von Jaume Balagueró ohne das gnadenlose [REC]-Geflacker auskommt, das uns den Film im gegenseitigen Einverständnis frühzeitig abbrechen liess. Dann hättest du mir nämlich einen Tipp gegeben, an dem sowohl Splatti als auch ihr Sohn ihre Freude haben dürften. :)

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    1. Nix flackert, nix wackelt, kein Handkamera-Look. Stattdessen klare, relativ nüchterne Bilder und ruhige Kameraführung. Hier steht kein ungewöhnliches visuelles Konzept im Vordergrund (oder gar dem Filmerlebnis im Weg), sondern einfach die gelungene Geschichte. :)

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