I’m a Cyborg, But That’s OK

I'm a Cyborg but that's OK - FilmplakatStets perfekt bebildert, vielschichtig konzipiert und mit brutaler Emotion ausgestattet, geben die Filme von Regievirtuose Park Chan-wook eher selten Grund zum Lachen. Inmitten einer Filmografie aus Drama und Thriller wirkt der herzlich-positive I’m a Cyborg, But That’s OK wie ein unerwarteter Gast, ein kunterbunter Fremdkörper. Park und Komödie – kann das funktionieren?

Eben noch in der Fabrik Radiogeräte zusammengebaut, jetzt kurzerhand in die Irrenanstalt eingewiesen: Young-goon (Lim Su-jeong) hält sich für einen Cyborg und lädt ihre „Batterien“ logischerweise mit Strom auf, statt wie gewöhnliche Menschen Nahrung zu sich zu nehmen. Den Ärzten verrät sie von ihrem vermeintlichen Maschinendasein nichts, diese interpretieren ihr Verhalten folgerichtig als bedenklich und suizidgefährdet. Obwohl sie sich lieber mit Automaten und anderen elektrischen Geräten unterhält, lernt sie in der Anstalt den jungen, selbst proklamierten Meisterdieb Il-sun (Jeong Ji-hun) kennen, der seinen Mitmenschen vorgeblich ihre Charaktereigenschaften stehlen kann. Er soll Young-goon das Mitgefühl rauben, damit sie sich an den „weißen Männern“ rächen kann, die nicht nur sie, sondern früher auch schon ihre Großmutter eingewiesen hatten.

Stilistisch fährt Park gewohnt ausdrucksstarke Bilder auf, weil ihm wie so oft Kameramann Chung Chung-hoon mit ästhetischer Präzision zur Seite steht, doch von der dramatischen Kälte seiner sonstigen Werke ist natürlich deutlich weniger zu spüren. Dafür agieren die Darsteller in ihren skurrilen Rollen zu verspielt. Das Setting einer Institution für geistig gestörte Menschen bietet schließlich auch eine augezeichnete Basis für Humor. Spürbar wichtig war es Park jedoch, dass die Patienten nicht zur Schau gestellt werden, sondern dass man eher mit ihnen und ihren ausgefallenen, kleinen Geschichten lacht.

I’m a Cyborg, But That’s OK verkommt keineswegs zur ulkigen Freakshow, das lässt bereits der feinfühlige Umgang mit den beiden Protagonisten und ihrer sich ganz allmählich entwickelnden Zuneigung gar nicht erst zu. Young-goons Cyborg-Gehabe und Il-suns diebische Spinnereien sind ebenso sonderbar wie sympathisch. Über all den amüsanten Szenen, die für mehr als nur ein Lächeln sorgen, steht eine ungewöhnliche, aber gefühlvolle und kitschbefreite Liebesgeschichte. Wenn etwa Il-sun sich auf Young-goons kybernetische Scheinwelt einlässt und ihr vorgeblich ein „Reismegatron“ in den Körper baut, ist das ein herzerwärmender Augenblick, der trotz seiner Eigentümlichkeit intensiv die Gefühlsebene anspricht.

Nähe und Menschlichkeit sind nicht an bestimmte Vorstellungen und Normen gebunden. Park zeigt eindrucksvoll ohne es aufgesetzt wirken zu lassen, dass die Liebe überall, auch an den verrücktesten Orten und zwischen den unvorstellbarsten Personen erblühen kann. I’m a Cyborg, But That’s OK ist seltsam, komisch und ungemein herzlich zugleich. „Liebe ist, den Anderen so zu akzeptieren, wie er ist“, ließ der koreanische Kultregisseur seinerzeit auf der Berlinale verlauten. Das passt.


Originaltitel: Saibogeujiman kwenchana
Regie: Park Chan-wook
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-gyeong
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2006

Copyright der Bilder: Rapid Eye Movies

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3 Gedanken zu “I’m a Cyborg, But That’s OK

  1. Ich war damals lediglich von Rain angetan, der Rest sprach leider so gar nicht zu mir. IaCBTO scheint wohl das ungeliebte Stiefkind von mir zu sein, wenn es um Park geht. Bin auch immernoch unsicher, ob sich eine Zweitsichtung lohnt. :/

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