The Kirishima Thing

The Kirishima Thing - FilmplakatWo ist Kirishima? Der beliebte Schüler und Elitespieler des Volleyballclubs ist einfach nicht zur Schule gekommen und setzt damit eine Reihe von Ereignissen in Gang, die Regisseur Yoshida mit Freude in viele kleine Szenen aufspaltet, die stets aus ganz anderen Blickwinkeln wiederholt werden, um neue Details zu offenbaren.

Mal begleiten wir in The Kirishima Thing den Filmclub um den zurückhaltenden Filmnerd Ryoya (Ryunosuke Kamiki), der versucht, seine Vision mit der Kamera einzufangen, dann lauschen wir den abfälligen Kommentaren der Mädchenclique um Kirishimas besorgte Freundin Risa (Mizuki Yamamoto), ein anderes Mal steht der Schüler Hiroki (Masahiro Higashide) im Mittelpunkt, der sich vor der Teilnahme am Baseballclub drückt. Und immer wieder kreuzen sich all die kleinen amüsanten, traurigen und dramatischen Geschichten, bis sie sich schließlich zu einem großen Ganzen verweben.

2012 gewann Yoshida mit diesem wunderbaren Ensemblestück den Preis für den besten Film bei den Japan Academy Awards. Absolut nachvollziehbar, denn das Drehbuch und der kompetente Cast entführen spielend in das komplexe soziale Geflecht des Mikrokosmos Schule. Die bewusste Repetition zentraler Augenblicke aus anderen Perspektiven, fügt dem irritierten Treiben rund um Kirishimas Verschwinden immer mehr Nuancen hinzu, um die ganze Dynamik der vielen miteinander verwobenen Geschichten zum Ausdruck zu bringen.

Immer wieder kreuzen sich die Wege der Figuren, um den Charakteren mehr Komplexität und dem Plot eine gewisse Dramatik hinzuzufügen. Selbst in den zugespitzten Momenten verlässt Yoshida jedoch nie der Authentizitätsanspruch. Ein bisschen skurril, ja, aber nie zu übertrieben und vor allem in den geäußerten Gefühlen sympathischerweise sehr bodenständig, denn The Kirishima Thing ist auch ein Film über soziale Barrieren und die freie emotionale Entfaltung, wenn man einmal davon losgelöst sein kann. Erst das Fehlen Kirishimas gibt seinen Mitschülern die Chance, Rollen, in die sie gedrängt wurden, zu verlassen oder artifizielle Definitionen ihrer selbst zu überdenken. Allein aus diesen Beobachtungen gewinnt Yoshidas Film einen erheblichen Teil seiner Spannung. Plötzlich verschwinden Blockaden und Anleitungen und lassen ganz verschiedene Typen von Menschen auf sich allein gestellt. Die Kamera fängt das Geschehen in klaren Bildern ein, hält sich aber ansonsten eher zurück. Die Kozentration gilt nämlich voll und ganz den jungen Darstellern, die im Kollektiv eine hervorragende Schauspielleistung abliefern und das agile High-School-Drama erst ermöglichen.

Yoshidas dritter Spielfilm ist eine erfrischende Ansammlung und Verschmelzung kleiner Geschichten rund um das, was ein zentraler Fixpunkt im Schulumfeld zurücklässt, wenn er plötzlich durch Abwesenheit glänzt. Empfehlenswert, auch für diejenigen, deren Schulzeit schon etwas länger zurückliegt.


Originaltitel: Kirishima, bukatsu yamerutteyo
Regie: Daihachi Yoshida
Drehbuch: Daihachi Yoshida, Kohei Kiyasu
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 2012

Copyright der Bilder: Video Audio Project

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2 Gedanken zu “The Kirishima Thing

    1. Ha, ja ja. Immer diese Volleyball-Fixierung! :D
      Lohnt sich. Leichtigkeit, ohne primitiv zu sein. So eine faszinierende Balance zwischen Unterhaltsamkeit und Ernst wie beispielsweise im Frühwerk von Tetsuya Nakashima oder in „Barking Dogs Never Bite“ von Bong Joon-ho.

      Gefällt 1 Person

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