Elysium

Elysium - FilmplakatDreckig und dystopisch, das sind die Stichworte für Neill Blomkamp und seine Filme. Wie schon im vier Jahre zuvor gedrehten District 9 (2009), inszeniert er Elysium als raue Sci-Fi-Action vor der Kulisse sozialer Ungerechtigkeit. Dieses Mal steht jedoch nicht die Unterdrückung von Aliens in Johannesburg im Mittelpunkt, sondern die Menschheit selbst, die in der Zukunft deutlicher denn je in Arm und Reich unterteilt ist.

Los Angeles im Jahr 2154. Die US-Metropole ist wie der Rest der Welt zu einer Müllhalde verkommen, in der Millionen von Menschen in Slums um ihr Überleben kämpfen. Währenddessen hat die reiche Elite längst den Planeten verlassen und führt im Erdorbit ein privilegiertes Dasein in der Raumstation Elysium. Hier mangelt es an nichts und sogar tödliche Krankheiten können mittels fortgeschrittener Technologie problemlos behandelt werden. Menschen wie Ex-Sträfling Max (Matt Damon) können höchstens davon träumen, Elysium zu betreten. Als ihm ein Arbeitsunfall eine Strahlendosis verpasst, die ihm nur noch wenige Tage zum Leben lässt, scheint keine Heilungsmöglichkeit in Sicht. Die einzige Chance: Irgendwie doch  noch nach Elysium zu kommen und das Sicherheitssystem zu überwinden. Doch Secretary Rhodes (Jodie Foster) und ihr brutaler Söldner Kruger (Sharlto Copley) stellen sich ihm vehement in den Weg.

Um an die nötigen Informationen und Hilfsmittel zu gelangen, die ihn seinem Ziel näherbringen, stattet Regisseur Blomkamp Max im Laufe der Handlung nicht nur mit schwerem Geschütz, sondern auch mit einem Exoskelett aus, das seine motorischen Fähigkeiten erheblich verstärkt. Wie es das Setting verspricht, bewegen sich die Figuren zwischen Staub und Stahl durch eine deprimierend arme Welt, deren Look kaum weiter von den wie geleckt sauberen Zukunftsvisionen, wie man ihnen zuhauf in der Science-Fiction begegnet, entfernt sein kann. Erst wenn sich das Geschehen auf die Raumstation der Reichen verlagert, dominiert ein utopisches Bild mit schicker, in weiß gehaltener Architektur und idyllischen Grünflächen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Kontrast längst effektiv etabliert.

Die Kluft zwischen der ersten und der dritten Welt wird räumlich und ästhetisch mehr als deutlich betont. Schade, dass Blomkamp, der selbst beide Seiten aus seiner ganz persönlichen Geschichte als südafrikanischer Emigrant kennt, dem spürbar authentischen Setting keinen tiefergehenden Blick gönnt. Natürlich ist der Schauplatz mit seiner Problematik essentiell für den Plot, dessen Entwicklung sich jedoch wiederum vorrangig auf ein actionreich inszeniertes Einzelschicksal konzentriert. Die Action, die es dann aber zu sehen gibt, steht, wie erhofft, sinnbildlich für ihre Umgebung: Roh, ungemütlich, kompromisslos. Dreckige Gewalt, ohne Rücksicht auf die Körper, bis man schließlich in Elysium den wirklich ekelhaften Subjekten gegenübersteht. Diese kommen natürlich nicht mit schmutzigen Visagen und zerlumpter Kleidung daher, sondern tragen Anzüge und offenbaren inhumane Blicke auf ihren sauberen Gesichtern.

Blut und Schweiß im Kampf gegen die Zweiklassengesellschaft: Neill Blomkamps visuell authentische Zukunftsdystopie beweist sich vor starker Prämisse als knallharter Actionkracher, der seine fehlende inhaltliche Substanz formal mitunter eindrucksvoll auszugleichen weiß.


Originaltitel: Elysium
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013

Copyright der Bilder: Sony Pictures

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5 Gedanken zu “Elysium

  1. District 9 hatte eine tolle Prämisse, wurde nach hinten raus aber arg konventionell – ein zu harter und irgendwie ärgerlicher Bruch. Bei Chappie war ich mir nie sicher, wie ernst es Blokamp meint – so dermaßen doof war der. Elysium hatte zumindest meine durchgehende Aufmerksamkeit. Wie Du schon schreibst, als Actionkracher funktioniert der Film recht gut.

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  2. Ich fand den in Ordnung, aber rätsele, ob ich ihn irgendwann nochmal sehen muss. Finde auch, dass die vielversprechende Prämisse implizit nett ausgelotet ist, explizit war es mir dann aber doch zu sehr „nur“ Actioner…

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  3. War mir leider zu sehr auf Style getrimmt, wodurch nicht einmal mehr die dreckige Welt reizen konnte. Die inhaltlichen Schwächen waren dann doch zu gravierend. Eigentlich schade zu sehen, wie viel hier verschenkt wird.

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    1. Ah, schade. Für mich fängt Blomkamp eventuelle Schwächen in jedem seiner Filme immer mit viel Detailverliebtheit im Worldbuilding wieder auf. So auch hier, auch wenn der natürlich schwächer als „District 9“ ist.

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      1. Kenne nur „Chappie“ und den hier. Und er baut immer dieses Spezielle ein (meistens von der Norm abweichende Menschen“, was einen aus dieser Tristesse so rausreißt. Aber gut, mit „Elysium“ hatte ich sowieso ganz andere Probleme…

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