Felidae

Felidae

Felidae, ein deutscher Neo-Noir-Thriller mit Katzen in der Hauptrolle und noch dazu Zeichentrick? Was heute kaum denkbar ist, war auch damals bereits eine ungewöhnliche Ausnahme im deutschen Kino. Mit gut 15 Millionen DM war Michael Schaacks Film darüber hinaus die seinerzeit teuerste deutsche Zeichentrickproduktion aller Zeiten. Wer aber glaubt, ein Animationsfilm mit tierischen Protagonisten sei zwangsläufig ein Familien- oder gar Kinderfilm, könnte bei Felidae kaum falscher liegen.

Ein Neuer ist im Revier: Francis (Ulrich Tukur), ein neugieriger, intelligenter Klugscheißer, würde Blaubart (Mario Adorf) sagen, der griesgrämige, nimmersatte Kater mit dem er sich binnen kurzer Zeit anfreundet. Ausgangspunkt dieser Begegnung ist die Katzenleiche, die sie in einem der Gärten entdecken. Ein grausamer Mörder treibt in der Nachbarschaft sein Unwesen und reißt rolligen Katern die Kehlen auf. Francis‘ detektivische Ader treibt ihn an, den Fall aufzuklären, doch das Spiel, auf das er sich einlässt, entpuppt sich als weit gefährlicher als vermutet und so bringt er nicht nur sich, sondern auch seine neuen Freunde in akute Lebensgefahr.

Aus der Perspektive eines Katers, der in die klassische Film-Noir-Rolle des privaten Ermittlers zwischen den undurchsichtigen Fronten tritt, erzählt Felidae einen spannenden Krimi um brutale Todesfälle, bizarre Sekten und skrupellose Tierversuche. Die Menschen, von den Vierbeinern auch als Dosenöffner bezeichnet, rücken in den Hintergrund, wenn Francis sehr früh feststellt, dass der Mörder jemand seiner eigenen Art sein muss.

Zeichnerisch bewegt sich der Film passend zum hohen Budget auf einem sehr guten Niveau. Die flüssigen, authentischen Bewegungen der Katzen und die Detailverliebtheit bei Mordszenen und surrealen Traumsequenzen können sich absolut sehen lassen. Stimmungsvolle Bilder verleihen Felidae eine wahrhaft düstere Atmosphäre, womit wir wieder bei dem eingangs erwähnten Hinweis wären, diesen Zeichentrickfilm besser nicht mit jungen Kindern anzuschauen. Als Geschichte über einen Katzenserienmörder belässt es Felidae nämlich nicht bei Worten und Andeutungen, sondern zeigt explizit die aufgerissenen und verstümmelten Körper der ermordeten Katzen. Abgetrennte Köpfe, freiliegende Gedärme, hier wird nicht gespaßt. Dabei verkommen diese Momente nie zu bloßen reißerischen, schockierenden Szenen, sondern fügen sondern nähren stets den emotionalen Unterboden des Filmgeschehens

Der Plot besitzt eine gute Dynamik ohne viele Abschweifungen oder auch Auslassungen im Vergleich zur fünf Jahre zuvor erschienenen Romanvorlage von Akif Pirinçci, der übrigens ebenfalls am Drehbuch schrieb. Allerdings büßt der Film dann doch ein wenig an Komplexität und Klarheit ein, was die Auflösung dieses Kriminalfalls angeht. Ohne das Ende vorwegnehmen zu wollen: Regisseur Schaack gestaltet es zwar plausibel, doch gleichermaßen ein wenig halbherzig. Ansonsten leistet sich die Adaption jedoch kaum Schwächen gegenüber der literarischen Vorlage und darf getrost als gelungene Umsetzung bezeichnet werden.

Wem der Sinn nach einer nicht gerade zimperlichen Detektivgeschichte im Noir-Stil steht und sich mit Katzen als Hauptfiguren in einem Zeichentrick für Erwachsene anfreunden kann, dem sei Felidae ans Herz gelegt. Mysteriös, packend und auch ein wenig philosophisch. „Wahrlich, wahrlich, dieses tolle Treiben war jenseits von Aristocats, merkt Francis an einer Stelle an. Recht hat er.

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