The Descent

The Descent - FilmplakatKommt man auf den zeitgenössischen britischen Horrorfilm zu sprechen, führt wohl kein Weg an Neil Marshall und seinem Höhlenschocker The Descent vorbei. Sein zweiter Spielfilm schickt eine Gruppe Frauen auf einen wahrhaft unvergesslichen Trip in beklemmende Tiefen und weiß dabei gleich auf mehreren Ebenen zu überzeugen.

Ein Jahr, nachdem sie durch einen tragischen Unfall Mann und Tochter verlor, wird Sarah (Shauna Macdonald) von ihren Freundinnen dazu überredet, bei einer Klettertour dabei zu sein. Die erfahrene Juno (Natalie Mendoza) scheint dafür auch schon eine passende Höhle ausgesucht zu haben, doch ihr ganz bewusster Verzicht auf jegliche Touristenkarten, kommt die sechsköpfige Gruppe teuer zu stehen, da sie die anderen nun in ein bisher unerforschtes Höhlensystem führt. Als auch noch der Rückweg wegbricht, sind die geheimnisvollen Malereien und die uralte Kletterausrüstung, auf die sie stoßen, noch das geringste Mysterium, denn ominöse Laute künden davon, dass hier unten in den Tunneln noch etwas anderes, etwas lebendiges lauert…

Im Gegensatz zu manch anderem lauen Horrorlüftchen der Genrekonkurrenz, fällt bei The Descent sofort auf, dass Regisseur Marshall gewillt ist, Zeit und Mühe in die Charakterisierung seiner Protagonistinnen zu investieren. Das erste Drittel des Films stellt die verschiedenen Frauen ihre Beziehungen untereinander vor. Dort schafft er aufgrund der Ausführlichkeit eine emotionale Verbundenheit zum Zuschauer, legt aber gleichzeitig schon den Grundstein für interne Spannungen mit Konfliktpotential, die sich später noch entladen sollten. Im zweiten Abschnitt steht vor allem das klaustrophobische Höhlensetting im Mittelpunkt, dass dank toller Licht- und Kameraarbeit mit atmosphärischem Gebrauch von Flares und sehenswerten Einstellungen von weiten Hallen, engen Tunneln und tiefen Schluchten seine unangenehme, isolierende Wirkung voll und ganz entfalten kann. Und erst im Schlussabschnitt tritt der eigentliche Horror zu Tage, dafür aber dann so richtig: Die aufgebaute Spannung, die verstärkt einen psychologischen Druck auf Figuren und Zuschauer ausübt und Urängste vor dem Dunkel und vor dem Unbekannten weckt, kulminiert in eine äußerst körperliche Angelegenheit, bei der sich mit Tränen, Schweiß und Blut nicht zurückgehalten wird.

Paranoia und Wahnvorstellungen, hervorgerufen durch die unterirdische Enge und die ausweglose Situation, vermischen sich schließlich mit scheinbar ganz konkreter Gefahr durch abgründige Kreaturen, die den sechs Freundinnen das Überleben mehr als schwer machen. Wo sich The Descent zunächst als gelungener psychologischer Horror mit unbehaglichem Schauplatz hevortut, zeigt er anschließend seine gnadenlos brutalen Survival-Horror-Qualitäten. Hierbei tut sich insbesondere Sarah als starke Frauenrolle hervor, wenn sie auf die Situation eine Antwort bereithält, die wirklich alles andere als zimperlich ausfällt.

Die Hingabe, die in die verschiedenartigen, sich aber wunderbar ergänzenden Horrorelemente, sowie die Ausarbeitung seiner Figuren gesteckt wurde, macht The Descent nun aber nicht nur zu einem guten Film im Vergleich mit seiner britischen Horrorkonkurrenz, sondern auch allgemein zu einem der besseren Horrorfilme der letzten Dekade. Spannend, schonungslos und clever!


Originaltitel: The Descent
Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Neil Marshall
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2005

Copyright der Bilder: Universum Film

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