There Will Be Blood

There Will Be Blood

Das oscarprämierte Meisterwerk There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson – unter anderem durch Filme wie Magnolia (1999) bekannt – gilt bei vielen Filmfreudigen und Kritikern als der beste Film der letzten Dekade. Darüber kann man sicherlich streiten, aber dass wir es hier mit einem intensiven Charakterdrama über Opportunismus und Selbstzerstörung eines überehrgeizigen Mannes zu tun haben, lässt sich nur schwer leugnen.

„I have a competition in me; I want no one else to succeed.“Daniel Plainview

Die Handlung des Films dreht sich um den aufstrebenden Tycoon Daniel Plainview (großartig gespielt von Daniel Day Lewis), der mit seinem jungen Adoptivsohn H.W. (Dillon Freasier) zu Beginn des 20. Jahrhunderts im florierenden Ölgeschäft Kaliforniens tätig ist, nachdem es einige Jahre zuvor mit dem Schürfen nach Gold nicht so recht klappte. Mittlerweile erfreut sich Daniel überregionaler Bekanntheit und verdient mit seinem Unternehmen recht solide, als eines Nachts ein junger Mann namens Paul Sunday (Paul Dano) in sein Büro tritt und ihm eine Information anbietet, die maßgeblich für seinen weiteren Erfolg sein sollte: Er verrät Daniel, dass unter dem Grund, auf dem sich die Ranch seiner Familie befindet, fässerweise Öl fließe. Die Information bewahrheitet sich vor Ort und Daniel wittert ein lukratives Geschäft. Anschließend kauft er den wertvollen Grundbesitz der naiven Familie zu einem Spottpreis; nur der äußerst gläubige Zwillingsbruder Pauls, Eli (ebenfalls Paul Dano), verlangt eine Spende für die Kirche der Gemeinde. Daniel jedoch hat nur den Gewinn im Sinn und zögert diese in seinen Augen lästige Nebensächlichkeit immer weiter hinaus. Stattdessen entsteht dafür umso schneller ein riesige Förderanlage, bestehend aus mehreren Bohrtürmen über verschiedene aufgekaufte Grundstücke der Umgebung verteilt. Aber die Bohrarbeiten laufen nicht ohne Probleme ab. Es kommt zu einem folgenschweren Unfall, der einen Arbeiter das Leben und H.W. das Gehör kostet. Eli ist der Meinung, dass all das ohne den Segen Gottes ohnehin kein gutes Ende nehmen kann, doch Daniels Augen richten sich ausschließlich auf sein immer größer werdendes Reich aus schwarzem Gold.

Angelegt hat P.T. Anderson das gesamte Geschehen als zeitintensives Drama, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung des vom Erfolg bessessenen Daniel Plainview und seine Beziehungen zu seinem Adoptivsohn, sowie zum enttäuschten und hasserfüllten Eli steht. Daniel verspricht den Farmern, auf deren Böden er Bohrungen betreibt, eine allgemeine Verbesserung sämtlicher Lebensstandards, doch wie so oft sind es leere Reden, die lediglich darauf abzielen, die Leute auf seiner Seite zu haben und jegliche Skepsis schon im Keim zu ersticken. Tatsächlich interessiert den Ölbaron nur sein sich rasch vermehrender Reichtum. Um dieses Ziel zu erreichen, geht er stellenweise wörtlich über Leichen. Auch sein Adoptivsohn, der anfangs als nicht wegzudenkender Begleiter Daniel auf Schritt und Tritt zu unterstützen versucht, rückt für den Geschäftsmann nach seinem Gehörverlust alsbald in den Hintergrund. Daniel ist der neuen Belastung nicht gewachsen, er konzentriert sich lieber wieder auf das, wovon er am meisten versteht: Die Ausbeutung der Farmer und die Gewinnmaximierung seines Unternehmens. Dieser unverbesserliche Charakterzug lässt schlussendlich auch den Antagonismus zum religiösen Eli entstehen, der nie auch nur im Geringsten daran denkt, mit seiner Forderung nach der Spende klein bei zu geben. Seinen eigenen Vater beginnt er zu verachten, da dieser dem gottlosen Daniel seinen Erfolg erst ermöglichte. Die Obsession, die Eli allerdings in Daniel verabscheut, beherrscht auch ihn immer mehr. Daniels Besessenheit mit rücksichtslosem Geschäftserfolg steht schließlich Elis Wunsch nach Vergeltung gegenüber und gipfelt in einem geradezu wahnsinnigem Finale, das selbst ein Stanley Kubrick nicht besser hätte inszenieren können.

Mit dem Stichwort Kubrick muss man unweigerlich auf die ästhetische Ebene von There Will Be Blood zu sprechen kommen, denn in vielen Szenen zeigt sich mal mehr, mal weniger deutlich die Andersons Wertschätzung des verstorbenen Regisseurs. Allein die grundlegene Struktur des Films, der sich in zwei distinkt durch Orts- und Zeitwechsel von einander abhebende Abschnitte teilt, erinnert in dieser Form vor allem an Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968). Auffällig sind auch die visuellen Parallelen der Endsequenz von There Will Be Blood zum einen zu Szenen aus Shining (1980), als auch erneut zu 2001: Odyssee im Weltraum. Zu sehr dabei ins Detail zu gehen, würde massiv Spoilern, von daher sei es zunächst dabei belassen. Aufmerksamen Zuschauern werden diese Anspielungen aber so oder so auffallen. Musikalische Parallelen erzeugt P.T. Anderson ebenfalls und das schon zu Beginn seines Filmes. Im weiteren Verlauf ist das in dieser Hinsicht nicht mehr allzu auffällig, aber der Soundtrack von There Will Be Blood ist losgelöst davon ohnehin passend eingespielt.

Über mehr als zwei Stunden hinweg breitet Paul Thomas Anderson letztlich ein enormes Drama aus, das von seiner präzisen, stilsicher erzeugten Stimmung und überaus starken Charakterdarstellungen lebt. Zweifellos einer der wichtigsten Filme der letzten Jahre.

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