Montana Sacra

Montana Sacra

In den Siebzigern avancierte der Chilene Alejandro Jodorowsky zum Kultregisseur des surrealistischen Mitternachtskinos. Zum einen ist dafür sein existentialistischer Experimentalwestern El Topo (1970) verantwortlich, auf der anderen Seite ließ er jedoch drei Jahre später mit Montana Sacra ein nicht minder künstlerisch wertvolles und beeindruckendes Werk über die Suche nach Erleuchtung folgen.

Der Film handelt von einem Dieb (Horacio Salinas), der in einer Gesellschaft sein Dasein fristet, die von gewalttätigem und pervertierten Religionsfanatismus beherrscht wird. Von Gold angelockt, erklimmt er mitten in der Stadt einen hohen Turm, den ein geheimnisvoller Alchemist (Alejandro Jodorowsky) bewohnt. Dieser macht den unwissenden Dieb durch ein mystisches Initiationsritual zum Teil einer ungewöhnlichen Zusammenkunft. Sieben weitere kuriose Personen fügt der Alchemist zu einer illustren Gemeinschaft zusammen und holt sie zu diesem Zweck aus den merkwürdigsten Welten. Als alle beisammen sind, beginnt eine spirituelle Reise, bei der jeder von ihnen seinem eigenen Selbst entsagen soll, sodass nur noch ein kollektives Bewusstsein der acht Gefährten übrig bleibt. Denn nur auf diese Weise ist es möglich, die Erleuchtung auf dem heiligen Berg zu finden und das Geheimnis der Unsterblichkeit zu erfahren, nach dem der Alchemist strebt.

Montana Sacra ist eine seltsame Reise, die sich vor allem nicht mit gesellschaftskritischen Ansätzen zurückhält. So wird bereits zu Beginn des Films ein blutrünstiger Angriff europäischer Eroberer auf die Stadt einer alten mexikanischen Hochkultur modellhaft mit verkleideten Echsen inszeniert. Oder aber als der Dieb erwacht und feststellt, dass man mit einem Gipsabdruck seiner selbst Unmengen an Jesusfiguren hergestellt hat, wird nur allzu deutlich, in welch abstruse Richtungen Religionen abdriften können. Besonders auffallend sind allerdings auch die Charaktere und ihre bizarren Welten, die sie bewohnten, bevor der Alchemist sie zur Suche zusammenführt. Da wäre beispielsweise Klen (Burt Kleiner), der Spielzeuge herstellt, in die zugleich immer auch Waffen implementiert sind, um Kinder bereits frühzeitig auf kriegerische Auseinandersetzungen vorzubereiten oder Axon (Richard Rutowski), ein respektierter und gefürchteter Herrscher, der unloyale Untertanen öffentlich kastrieren lässt. Die übrigen fünf Gefährten, die den Dieb begleiten sollen, sind nicht weniger skurril.
In ästhetischer Hinsicht verpasst Jodorowsky seinem Film zudem einen ganz eigenen unverkennbaren Stil. Seien es die intensive Farbwahl und Symmetrie im Turm des Alchemisten oder die verrückten Kostüme, Montana Sacra ist in jeder Szene ein außergewöhnlich merkwürdiges Kunstwerk.

Auch wenn Alejandro Jodorowsky insgesamt nicht viele Filme vorzuweisen hat, so ist Montana Sacra doch keinesfalls ein unwichtiges Werk. Diese Suche nach einem der größten Geheimnisse der Alchemie ist manchmal meditativ, an anderen Stellen wiederum einfach enorm abgedreht, bis es schließlich in einem sehr interessanten Finale kulminiert.
Jodorowskys Stil ist eigenwillig und versucht gar nicht erst, sich in irgendwelche bekannten Muster zu zwängen. Wenn man jedoch eine gehörige Portion Offenheit mitbringt, wird Montana Sacra zu einem der intensivsten und inspirierendsten Filmerlebnisse überhaupt.

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