The Zero Theorem

The Zero Theorem - FilmplakatDieses Jahr feierte Kultregisseur Terry Gilliam seinen 75. Geburtstag und will vom Ruhestand nach wie vor nichts wissen. 2013 erschien sein bisher letzter Film. Doch kann sich der in den USA geborene Brite auch im hohen Alter noch seine filmische Qualität bewahren? Eines vorweg: The Zero Theorem ist auf alle Fälle ein typischer, ein waschechter Gilliam-Film.

England in einer dystopischen Zukunft. Ohne Haupthaar, aber mit umso mehr Hirn arbeitet Computergenie Qohen Leth (Christoph Waltz) für eine IT-Firma am sogenannten „Zero Theorem“, einer mathematischen Formel, die den Sinn des Lebens entschlüsseln soll. Letzteres erwartet Qohen außerdem schon seit Jahren als bedeutsamen Anruf. Das Telefon klingelt zwar nicht, dafür treten jedoch illustre Gestalten wie die attraktive Bainsley (Mélanie Thierry) und der Sohn des Managements (Lucas Hedges) in sein Leben, während der glatzköpfige Exzentriker, der nur im Plural von sich spricht, mehr und mehr die Nerven über die schier unlösbare Formel verliert.

In einer skurrilen Welt, die Gilliam mit einfalls- und detailreichem Setdesign zum Leben erweckt, spielt Christoph Waltz einen Sonderling in einer ganzen Reihe von ausgefallenen Figuren. Die charmante Zukunftsvision und das Arbeitsverhältnis Qohens mit seinem nach Effizienz schreienden, todlangweiligen Job und dem verdächtig freundlichen Vorgesetzten erinnern zwar ein wenig an Brazil (1985), doch Gilliam ist fast zwanzig Jahre später weniger an seinem Setting, sondern viel mehr an seiner Hauptfigur interessiert. Das ist zwar eine der Stärken des Films, weil der Protagonist als interessantester Charakter im Ensemble stärker in den Fokus rückt, zugleich aber auch eine Schwäche, wenn darunter das Drehbuch leidet. Was in Tideland (2005) noch besser funktionierte, der Verzicht auf eine strikte Struktur zugunsten einer improvisierenden Entdeckungsreise der Handlung, wirkt in The Zero Theorem letztlich zu mäandernd. Die zweite Filmhälfte verliert dadurch ein wenig ihren Fluss.

Das macht dieses eigenartige Sci-Fi-Drama noch lange nicht zu einem schlechten Film. Die ominöse Formel fasziniert, das Zusammenspiel der Figuren ist mal amüsant, mal melancholisch, doch wo The Zero Theorem anfangs noch wie aus einem Guss wirkte, ist der Abschluss etwas holprig. Meckern auf hohem Niveau, denn: Terry Gilliam ist immer noch so herrlich verschroben, so wunderbar gilliamesk, wie man es von ihm erwartet und Christoph Waltz liefert eine denkwürdige Darstellung ab, sei es verzweifelt am Rechner in einer alten Kirche, per lächerlichem Ganzkörperanzug im virtuellen Raum oder in manisch-rebellischer Wut im Kampf gegen das Management. Nicht unbedingt der perfekte Film für Einsteiger in die verrückte Welt des Monty-Python-Mitbegründers, wohl aber lohnenswerte Kost für Fans des Eigenartigen.


Originaltitel: The Zero Theorem
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Terrry Gilliam, Pat Rushin
Produktionsland: Großbritannien, Rumänien, Frankreich
Produktionsjahr: 2013

Copyright der Bilder: Concorde Filmverleih

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2 Gedanken zu “The Zero Theorem

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